Mein Wahlkreis: Potsdam

Landeshauptstadt Potsdam / Foto: stock.adobe.com - Sliver

Bei jeder Landtagswahl ist Brandenburg in 44 Wahlkreise eingeteilt. Die Einteilung wird anhand der neuen Bevölkerungszahlen alle 5 Jahre neu festgelegt. Der Vorschlag kommt vom Landeswahlleiter und wird im Landtag beschlossen. Die Wahlkreise sollen jeweils gleich viele Einwohner haben. Deswegen sind die Wahlkreise auch unterschiedlich groß. Meine Kollegen in der Prignitz und in der Uckermark müssen viel mehr fahren als ich. Potsdam wächst und das führt dazu, dass die Wahlkreise hier immer kleiner werden. Aber warum braucht man Wahlkreise? Bei den Wahlen zum Bundestag und zum Landtag hat man zwei Stimmen. Mit der Erststimme wählt man den Kandidaten im Wahlkreis, mit der Zweitstimme wählt man die Partei. Durch die zwei Stimmen haben die Bürgerinnen und Bürger also die Möglichkeit, den Direktkandidaten zu wählen, der ihnen am besten passt, auch wenn er nicht der Partei angehört, die sie bevorzugen. Das Parlament in Brandenburg besteht nach den Wahlen dann aus 44 direkt gewählten Abgeordneten und 44 Abgeordneten, die über die Parteilisten eingezogen sind. Bei der parlamentarischen Arbeit haben alle Abgeordneten die gleichen Rechte und Pflichten. Aber ich bin natürlich sehr stolz, dass 2004, 2009 und 2014 jeweils die meisten Potsdamerinnen und Potsdamer im Wahlkreis 21 mir ihre Stimme gegeben haben und ich somit den Wahlkreis 21 drei Mal direkt gewinnen konnte.

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Potsdam

Babelsberg

Babelsberg ist für mich etwas ganz besonderes. Hier bin ich auf die Welt gekommen und hier habe ich an der Uni Potsdam meine Studienzeit verbracht. Babelsberg hat sein ganz eigenes Flair.

Seine Ursprünge hat dieser Stadtteil in einem kleinen Dorf namens Neuendorf, in den später viele böhmische Siedler kamen. Das deutsche Neuendorf und das böhmische Nowawes fusionierten 1907 und es blieb nur der böhmische Name erhalten.

Ein besonderer Ort ist noch heute der Neuendorfer Anger. Hier wurde mit viel Engagement der Bürgerschaft die Kirche saniert. Ein besonderes Schmuckstück ist die wunderschöne Sternenkuppel.

Ab 1871 kam zu Nowawes dann die Villenkolonie Neubabelsberg dazu, in der damals wie heute zahlreiche Prominente wohnen. Neuendorf, Nowawes und Neubabelsberg wurden 1938 zu einer Stadt zusammengeschlossen. Den Nationalsozialisten missfiel der slawische Name Nowawes, die neue Gemeinde wurde daher Babelsberg genannt.

Erst 1939 wurde es in nach Potsdam eingemeindet. Deswegen gibt es bis heute das Rathaus Babelsberg, in dem auch regelmäßig der SPD-Ortsverein Babelsberg tagt. Der Stadtteil ist heute beliebter Wohnort für junge Familien. Hier kann man wunderbar im Park Babelsberg spazieren. Einst von den großen Gartenmeistern Lenné und Pückler angelegt, war er durch Mauerbau und Vernachlässigung am Ende der DDR-Zeit schwer geschädigt. Erst allmählich gelingt es der Stiftung Preussische Schlösser und Gärten die alte Schönheit wieder herbei zu zaubern. Dabei helfen zwei große Investitionsprogramme finanziert durch das Land Brandenburg, Berlin und den Bund. Wer im Park Hunger bekommt, dem empfehle ich den Besuch des Cafés im kleinen Schloss. Als medienpolitische Sprecherin bin ich dienstlich oft in Babelsberg unterwegs. Die Filmstudios Babelsberg haben diesen Teil Potsdam weltberühmt gemacht. Damit das so bleibt, muss natürlich auch die deutsche Filmförderung konkurrenzfähig sein. Dafür setze ich mich ein. Hier in Babelsberg sitzt natürlich auch der rbbund als Mitglied des Rundfunkrats kann ich mitdiskutieren, was das öffentlich-rechtliche Radio und Fernsehen in unserer Region macht. Die Filmprofis von morgen werden in der brandenburgischen Filmuniversität Konrad Wolf ausgebildet. Sie ist eine der modernsten und größten Filmschulen in Deutschland.

Innenstadt

Eigentlich muss man sich nur auf die Brandenburger Straße stellen und warten, irgendwann komme ich da im Laufe des Tages immer vorbei. Ich wohne in der Gutenbergstraße, meine Kinder gehen in der Innenstadt zur Grundschule und der Landtag ist mein Arbeitsplatz. Unglaublich, wie sich dieser Teil Potsdams seit der Wende geändert hat. Als Schulkind stand ich immer unter dem riesigen Dach des Busbahnhofes am Bassinplatz. Und ich gruselte mich damals vor dem Holländischen Viertel, weil seine Gebäude den Eindruck machten, als würden sie jederzeit einstürzen können. Die Wende war für die historische Bausubstanz der Innenstadt eine Rettung in letzter Sekunde. Seit 1990 wird leidenschaftlich gestritten, wie es mit der Stadtentwicklung weiter geht. Was wird abgerissen, was wird wieder aufgebaut?

Potsdams Schönheit rechtfertigt die leidenschaftliche Debatte. Ich muss mich morgens manchmal fast kneifen, wenn ich jetzt über den Alten Markt gehe. Er ist wieder traumhaft. Das Palais Barberini ist ein Geschenk für die Stadt und in der Humboldtstraße essen die Touristen fröhlich ihre Burger. Nichts erinnert mehr an den zugigen, kahlen Platz von früher.

Aber natürlich geht es bei der Debatte um Architektur nicht nur um schön oder hässlich. Architektur in Potsdam war und ist immer Politik gewesen. Die Könige bauten hier ihre Schlösser als Demonstration von Macht und Reichtum. Die Garnisonkirche und der Tag für Potsdam symbolisieren die Nähe von Preußentum, Militär und Nationalsozialismus.

Am 14. April 1945 wurden weite Teile der historischen Altstadt von alliierten Bombern zerstört.

Zu DDR-Zeiten wollte man den Geist von Preußen endgültig vertreiben. Die Ruine des Stadtschlosses wurde ebenso gesprengt wie die Garnisonkirche. Gebaut wurde natürlich auch. Gegen die Wohnungsnot wurden in Potsdam neue Stadtteile entwickelt, aber auch in der Innenstadt entstanden die begehrten Wohnungen in der Breiten Straße, ergänzt um das architektonische Kleinod die Seerose.

Keine Rücksicht wurde genommen auf die einstmals weltberühmte Stadtkomposition der historischen Innenstadt. Im Lustgarten entstand das Ernst-Thälmann-Stadion, der Stadtkanal verwandelte sich in Parkplätze, auf den Alten Markt wurde versucht, ein Theaterneubau zu errichten. Auch hier kam die Wende gerade zur rechten Zeit. Das riesige Gebäude hätte ein für alle mal die Wiedererlangung der historischen Mitte verhindert. Die erste frei gewählte Stadtverordnetenversammlung in Potsdam stoppte daher den Neubau und der Betonklotz wurde abgerissen.

Potsdams alte Schönheit kehrt langsam zurück. Nach einem Bevölkerungsrückgang nach der Wende boomt auch der Zuzug. Die Stadtplaner von heute müssen daher dafür sorgen, dass die Innenstadt nicht nur weiter an Attraktivität gewinnt, sondern dass hier auch immer noch preiswert gewohnt und gearbeitet werden kann. Denn das historische Potsdam war auch keine Touristenkulisse sondern immer ein Ort zum leben und arbeiten.

Einen guten Einblick über die historischen Stadtbilder bietet das schöne Buch „Potsdamer Veduten“ von Hans-Joachim Giersberg und Adelheid Schendel.

Potsdam-West

Ein toller Stadtteil. Hier bin ich zur Schule gegangen Sportschule, weite Teile meiner Jugend habe ich mich beim Havelimbiss mit exzellentem Döner ernährt und viele Jahre habe ich in der Kastanienallee gewohnt.

Auch wenn ich jetzt in der Innenstadt lebe, führt mich mein Bürgerbüro in der Zeppelinstraße regelmäßig hierher. Leider komme ich dann immer an Fleischer Riek vorbei, für dessen Fleischsalat ich eine ausgeprägte Schwäche habe.

Potsdam-West besteht eigentlich aus zwei unterschiedlichen Bereichen, zum einen die Brandenburger Vorstadt mit ihren wunderbaren Jugendstilbauten und zum anderen aus Potsdam-West, welches erst später in den 20er und frühen 30er Jahren entstand. Folgerichtig gibt es auch mehrere Vereine, die sich um das Miteinander kümmern. Zum einen der Verein Brandenburger Vorstadt mit seinem legendären Stadtteilfest Affe, Schaf und Känguru. Und dann natürlich die West-Kurve und das Stadtteilnetzwerk.

Diese Ecke Potsdams ist so bunt, wie kaum ein anderer Stadtteil. Der Bahnhof Pirscheide atmet noch den Charme der DDR. Seit Jahren setze ich mich dafür ein, dass er wieder reaktiviert wird, um weitere Bahnverbindungen zu ermöglichen. Dann folgt das Herz des Leistungssports in Potsdam – der Luftschiffhafen. Der Ort von Schweiß, Tränen und olympischen Geschichten,  an dem viele Potsdamer ihre Muskeln trainierten. Weiter stadteinwärts in der Brandenburger Vorstadt wird getauscht und getratscht. Neue Ökos und alte Protestanten gemeinsam für Nachhaltigkeit.

Wer das nicht braucht, geht einfach über die Straße. Der Kiewitt bietet sanierte Neubauten aus der DDR mit Traumblick auf die Havel. Und nicht zu vergessen die besondere Atmosphäre rund um den Schillerplatz und in der Stadtheide.

Eigentlich gibt es DAS Potsdam-West gar nicht. Sondern es gibt unglaubliche Vielfalt und alle zusammen leben die Potsdamer Toleranz. Hier soll jeder nach seiner Fasson selig werden. 

Berliner Vorstadt

Potsdams schönster Eingang ist sicher die Glienicker Brücke. Zu DDR-Zeiten legendäre Austauschstelle für die Spione des Kalten Krieges, breitet sich hier jetzt für jedermann ein Blick auf die Schönheit der Potsdamer Landschaft aus. Von Berlin kommend sieht man linker Hand den wieder erblühenden Park Babelsberg, nach rechts öffnet sich hier der Blick bis zur Heilandsinsel. An das Glück der deutschen Einheit erinnert direkt an der Glienicker Brücke die Bronzeplastik Nike 89 von Bildhauer Wieland Förster.

Die Berliner Vorstadt ist geprägt von schönen Villen. Hier hat sich nach der Wende auch so mancher Prominente niedergelassen. Wer in der Garage du pont Abendbrot isst, kann mit etwas Glück den einen oder anderen Fernsehliebling treffen.

Die Berliner Vorstadt ist aber nicht nur Wohnort, hier wird auch Kultur ganz groß geschrieben. Gleich nach der Brücke findet sich die vom Manager Mathias Döpfner wieder aufgebaute Villa Schöningen. Hier finden neben Ausstellungen auch Lesungen, Vorträge und Filmabende statt.

Der größte Kulturstandort Potsdams, die Schiffbauergasse, befindet sich ebenfalls in der Berliner Vorstadt. Auf diesem Gelände wurde zu DDR-Zeiten Koks und Teer produziert. Nach der Wende wurde das Areal dann von Künstlern erobert. 1999 beschlossen die Stadtverordneten, daraus ein Kulturareal zu  machen. Der Neubau des Hans-Otto-Theaterswurde nicht wie ursprünglich geplant in der Zimmerstraße realisiert, sondern zog ans Wasser. Der wunderbare Bau des heutigen HOT stammt vom Architekten Gottfried Böhm. Neben dem HOT finden sich viele weitere Potsdamer Kultureinrichtungen. Wer noch nie da war, dem empfehle ich unbedingt einen Besuch in der tanzfabrik

Jägervorstadt

Potsdams schönster Eingang ist sicher die Glienicker Brücke. Zu DDR-Zeiten legendäre Austauschstelle für die Spione des Kalten Krieges, breitet sich hier jetzt für jedermann ein Blick auf die Schönheit der Potsdamer Landschaft aus. Von Berlin kommend sieht man linker Hand den wieder erblühenden Park Babelsberg, nach rechts öffnet sich hier der Blick bis zur Heilandsinsel. An das Glück der deutschen Einheit erinnert direkt an der Glienicker Brücke die Bronzeplastik Nike 89 von Bildhauer Wieland Förster.

Die Berliner Vorstadt ist geprägt von schönen Villen. Hier hat sich nach der Wende auch so mancher Prominente niedergelassen. Wer in der Garage du pont Abendbrot isst, kann mit etwas Glück den einen oder anderen Fernsehliebling treffen.

Die Berliner Vorstadt ist aber nicht nur Wohnort, hier wird auch Kultur ganz groß geschrieben. Gleich nach der Brücke findet sich die vom Manager Mathias Döpfner wieder aufgebaute Villa Schöningen. Hier finden neben Ausstellungen auch Lesungen, Vorträge und Filmabende statt.

Der größte Kulturstandort Potsdams, die Schiffbauergasse, befindet sich ebenfalls in der Berliner Vorstadt. Auf diesem Gelände wurde zu DDR-Zeiten Koks und Teer produziert. Nach der Wende wurde das Areal dann von Künstlern erobert. 1999 beschlossen die Stadtverordneten, daraus ein Kulturareal zu  machen. Der Neubau des Hans-Otto-Theaterswurde nicht wie ursprünglich geplant in der Zimmerstraße realisiert, sondern zog ans Wasser. Der wunderbare Bau des heutigen HOT stammt vom Architekten Gottfried Böhm. Neben dem HOT finden sich viele weitere Potsdamer Kultureinrichtungen. Wer noch nie da war, dem empfehle ich unbedingt einen Besuch in der tanzfabrik

Nauener Vorstadt

Wenn ich Besuch habe, ist ein Spaziergang durch die Nauener Vorstadt Pflicht. Am liebsten samstags, wenn am Nauener Tor Genießer und Spätaufsteher ihren Einkauf auf dem Markt erledigen. Von hier aus geht es weiter vorbei an den herrschaftlichen Häusern zur russischen Kolonie Alexandrowka. Wie im Märchen steht man auf einmal inmitten eines Ensembles alter russischer Holzhäuser. Es  wurde von Friedrich Wilhelm III. für russische Sänger gebaut. Weiter geht’s dann einen kleinen Berg hoch zur Alexander-Newski-Kapelle. Wer dieses kleine Kirche betritt, riecht, spürt und hört das Gefühl einer russisch-orthodoxen Kirche.

Wenn man weiter geht, kommt man an Potsdams alten jüdischen Friedhof vorbei und besteigt nunmehr den Pfingstberg. Ein Schmuckstück, welches nur mit Hilfe des tollen Pfingstbergvereins, vieler Stunden Arbeit und Millionenspenden wieder entstanden ist. Auf jeden Fall auf den Turm gehen, es lohnt sich!

Hunger und Durst stillt man danach am besten bei Kades und dann bietet sich eine ganze Reihe von weiteren Besuchszielen an. Im Neuen Garten können Geschichtsinteressierte das Schloss Cecilienhof erkunden und sich über die Potsdamer Konferenz informieren. Durchaus beliebt ist auch ein Sprung in den Heiligen See. Zurück in Richtung Innenstadt passiert man noch einige besondere Einrichtungen. In der Großen Weinmeisterstraße befindet sich das brandenburgische Fontane-Archiv in der Villa Quandt und das Lepsiushaus (benannt nach dem berühmten Menschenrechtler und Theologen Johannes Lepsius).

Unweit von diesen beiden Einrichtungen in der Leistikowstraße ist die Gedenk- und Begegnungsstätte. Sie erinnert daran, dass dieser Teil der Nauener Vorstadt bis 1994 das „Militärstädtchen Nummer 7“ war, dessen Betreten für die Potsdamer Bevölkerung verboten war und zeigt das Leid im zentralen Untersuchungsgefängnis der sowjetischen militärischen Spionageabwehr.

Wildpark

König Friedrich Wilhelm IV. jagte gerne und das hat uns diesen herrlichen Teil von Potsdam geschenkt. Für ihn wurde hier ein umzäunter Wildpark mit Pirschhäusern und Jagdkanzeln errichtet. Auch heute ist die Gegend ein beliebtes Ausflugsziel für die Bewohner von Potsdam-West. Der Haupteingang des 870 ha großen Wildparks ist das Forsthaus am Bahnhof Sanssouci, welches 1841-42 im normanischen Stil von Persius entworfen wurde. Heute befindet sich dort die Tierklinik.  Weitere Eingänge sind das Forsthaus Südtor und das Forsthaus Nordtor, welche unter dem Namen Kuhfort-Haus bekannt ist. Einige Jahre später kam dann 1847 in traditionell bayrischer Bauweise das Bayrische Haus hinzu, in dem sich heute eines der besten Potsdamer Hotels befindet. Das größte Gebäude im Wildpark ist die Wildmeisterei. Hier hat früher der Hegemeister mit seiner Familie gewohnt. Heute befindet sich hier auch die Waldschule. Vom Haupteingang am Bahnhof braucht man ca. 20 Minuten zu Fuß. Es wird viel Wissen rund um den Wald vermittelt. Wer Interesse an einem Besuch hat kann sich unter 0331 - 95130284 nach passenden Angeboten erkundigen.

Entworfen wurde der Plan des Wildparks vom berühmten Gartengestalter Lenné. Er hat einen Wegestern mit 8 verschiedenen Alleen gestaltet. Im Kreuzungsbereich der Alleen kann man heute noch unter einem großen Schirm picknicken. Im Wildparkt selbst gibt es auch drei Berge. Der Schäfereiberg ist mit 86 Metern der höchste, dann folgt der Große Entenfängerberg mit 82 Metern und der Kellerberg schafft es noch auf 63 Meter Höhe.

 

Der Wildpark hat aber noch eine weitere Attraktion und zwar eine lebendige. Seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts gibt es hier eine Graureiher-Kolonie. Insgesamt 200 Brutpaare leben auf einer Fläche von 3 ha. Seit 1989 sind diese als Flächennaturdenkmal unter Schutz gestellt.

Klein Glienicke

Diese Ecke Potsdams, umgeben von Wasser und den Parks des Weltkulturerbes war schon im vergangenen Jahrhundert eines der beliebtesten Ausflugsziele der Berliner und Brandenburger. Der heute geschlossene Bürgershof mit seinem wunderschönen Biergarten war über viele Jahre mehr als ein Geheimtipp.

Klein Glienicke ist trotz seiner bescheidenen Größe von 28 Hektar reich an architektonischen Schätzen. Hier gibt es einen alten Friedhof mit einer Kapelle nach Entwürfen von Reinhold Persius. Nach der Wende konnte diese dank privaten Engagements, unter anderem von Andreas Kitschke und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gerettet werden.

Kapelle und Friedhof gehören ebenso wie die dekorativen Schweizerhäuser zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Heute unvorstellbar wurden für den Bau der Mauer 1961 sechs Schweizerhäuser abgerissen.

Aufgrund seiner exklusiven Lage war Klein Glienicke schon immer ein Brennglas deutscher Geschichte. In den 20er Jahren wohnten hier viele UfA-Stars. Zahlreiche Künstler und viele jüdische Mitbürger emigrierten oder wurden zum Zwangsverkauf ihrer Häuser gezwungen.

Wie auch in Babelsberg machten sich schnell Nazi-Größen in den schönen Villen am Wasser breit. Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges und der deutschen Teilung wurde Klein Glienicke eine Exklave. Als Hochsicherheitszone zwischen der DDR und West-Berlin durften nur besonders treue Genossinnen und Genossen den Blick aufs Wasser genießen. Dramatische Szenen spielten sich während Fluchtversuchen ab.

Heute ist Klein Glienicke eine der begehrtesten Wohnlagen mit entsprechenden Immobilienpreisen. Aber Geld alleine macht auch nicht glücklich, Eis dafür schon. Direkt an der Prinz Leopold Brücke, über die man nach Klein Glienicke gelangt, kann man bei Wartmanns feinstes Eis geniessen.

Leben in Potsdam

Potsdam ist die Landeshauptstadt von Brandenburg. Mit 170.000 Einwohnern ist sie auch die größte Stadt im Land und wächst jedes Jahr weiter. Das hat viele Gründe. Die Schönheit der Altstadt, die hohe Lebensqualität mit Wasser und Parks, die Nähe zu Berlin. Aber auch die Dichte an Wissenschaftseinrichtungen, die tolle Universität und innovative Unternehmen ziehen viele Menschen aus ganz Deutschland in unsere Stadt. Potsdam ist eine ostdeutsche Erfolgsgeschichte. Dazu kommt eine tolerante Geisteshaltung und ein engagiertes Bürgertum, welche den Flair der Stadt prägen.

Aber die Attraktivität Potsdams stellt die Politik auch vor große Herausforderungen. Potsdam muss Schulen und Kitas bauen, wir brauchen Lösungen für die drängenden Verkehrsprobleme, bezahlbare Wohnungen müssen gebaut werden. Für manches ist die Stadtpolitik verantwortlich, anderes liegt in der Verantwortung des Landes, aber ganz häufig ist es ein Miteinander zwischen Landes- und Stadtpolitik. Die gute Zusammenarbeit zu fördern ist eine Hauptaufgabe auch von mir als Landtagsabgeordnete.

Als Sozialdemokratin ist mit dabei besonders wichtig, dass das Wachstum der Stadt nicht zu einer Verdrängung führt nach dem Motto „Potsdam musst Du Dir leisten können.“ Deswegen ist es richtig, dass die Landeshauptstadt stark in den Wohnungsbau investiert und das Land dabei hilft. Auch wenn viele Schöne und Reiche hier ihre Villen haben, muss Potsdam eine Stadt für alle bleiben.

Eine Stadt für alle heißt auch, dass wir die Unterschiedlichkeit von Potsdam pflegen und erhalten. Unsere Stadtteile haben alle eine eigene Identität. Ob Fahrland, Schlaatz oder die Brandenburger Vorstadt – jeder Stadtteil hat sein eigenes Lebensgefühl und seine individuellen Bedürfnisse. Eine Stadt für alle heißt auch, diese Unterschiedlichkeit zu lieben.. Streit um die Sache gehört zu Potsdam – leidenschaftlich, kreativ und mit Liebe zur Stadt. Das macht Politik nicht immer leicht, aber gerade deswegen mache ich gerne Politik in meiner Heimatstadt. Ob beim Bürgerhaushalt, dem Architekturstreit, den Initiativen Potsdam bleibt bunt und Pulse of Europe – Potsdamer stellen immer etwas auf die Beine. Diese Stadt ist immer in Bewegung. Und wenn Sie mitmachen wollen, dann sprechen Sie mich an.

Verkehr

Potsdam wächst schnell, aber es gibt nicht mehr Platz und kaum mehr Straßen. Das Verkehrsaufkommen wächst und wir spüren die zunehmenden Probleme im täglichen Verkehr. Wir können Potsdam aber nicht in eine autogerechte Stadt verwandeln. Das wäre auch aufgrund ihrer Insellage und der vielen Schlösser und Gärten auch gar nicht möglich. Der Verkehr wird sich im Wesentlichen nur durch eine bewusste Umverteilung in Richtung der umweltverträglichen Verkehrsarten (ÖPNV, Rad und zu Fuß) steuern lassen. Das Verhältnis von motorisiertem Individualverkehr zu diesen Verkehren muss sich deutlich zugunsten von ÖPNV, Rad- und Fußwegen ändern. Da die Hauptbelastung derzeit durch Berufspendler erzeugt wird, müssen wir die Zusammenarbeit mit dem Landkreis Potsdam-Mittelmark und den Umlandgemeinden verbessern. In der Frage des ÖPNV verfolgen Potsdam und die Umlandgemeinden gleiche Interessen. Es geht darum, im Hinblick auf den Regionalverkehr gegenüber dem Land mit einer Stimme zu sprechen und bei Fragen, die gemeinsam kommunal erledigt werden können, endlich zu klären, wer was wann umsetzt. So sollte die Landeshauptstadt Potsdam zum Beispiel endlich die Busspur von Geltow nach Potsdam bauen, die Stadt Werder kümmert sich um ein weiteres Parkhaus am Bahnhof und gemeinsam können wir uns beim VBB dafür einsetzen, den Tarifbereich ABC auszuweiten. Dabei ist uns klar: Wenn Potsdam weiter wächst und das Umland auch, dann können wir den Stau zur Hauptverkehrszeit morgens und abends nicht verschwinden lassen. Was wir tun können: den ÖPNV so attraktiv zu machen, dass er als bequeme Alternative wahrgenommen wird. Wenn Bus und Straßenbahn am Stau vorbeirollen und bequeme Umsteigemöglichkeiten vorhanden sind, werden mehr Menschen diese Alternativen nutzen. Dazu gehört eine Busspur genau so, wie die Verlängerung bereits bestehender Straßenbahn-Linien (z. B. nach Krampnitz und weiter über Fahrland nach Marquardt) und verlässliche Umsteigemöglichkeiten zwischen Bus, Straßenbahn und Regionalverkehr.

Wohnen

Wie wollen wir leben? Natürlich zunächst in möglichst preiswerten Wohnraum. Das ist eines der größten Probleme in Potsdam. Die Stadt wächst rasant und dadurch steigen die Preise. Hier kann nur durch Neubauten und eine Förderung durch das Land entgegen gesteuert werden. Wichtig ist aber auch eine Stadtentwicklung, die unsere Innenstädte als Wohnorte erhält und die in den Wohnvierteln in die soziale Infrastruktur investiert. Das Land Brandenburg unterstützt die Stadtverwaltung Potsdam bei ihren Zielen durch die staatliche Wohnraumförderung und Mittel für die integrierte Stadtentwicklung. Unser wichtigstes Ziel ist, dass Potsdam eine Stadt bleibt, in niemand verdrängt wird. Dafür wird gerade kräftig gebaut, wir bestehen als SPD darauf, dass 3.500 Sozialwohnungen mit günstigen Mieten auch künftig erhalten werden.

Eine große Rolle für die Versorgung mit preiswertem Wohnraum spielen in Potsdam die Genossenschaften. Die größte ist die städtische (Gewoba), aber es gibt auch noch weitere mit langer Tradition und schönen Standorten. Als Sozialdemokratin spreche ich mich für den Erhalt der Gewoba als städtische Genossenschaft aus. Es ist wichtig, dass wir bei Sanierungen auch Einfluss nehmen können, um eine Verdrängung der Mieter zu verhindern. Bei privaten Investoren sorgen wir dafür, dass diese sich auch an der Finanzierung der sozialen Infrastruktur in den neuen Quartieren beteiligen. 

Als Unistandort ist auch das studentische Wohnen in Potsdam ein wichtiges Thema. Das Land fördert dafür das (Studentenwerk), welches in den letzten Jahren erheblich modernisiert hat und auch etwas neu bauen konnte. Die Stadt hat jetzt für die Innenstadt ebenfalls mehr studentisches Wohnen am Staudenhof geplant. 

Wenn Sie Probleme mit Ihrem Vermieter haben, helfen Ihnen die beiden Potsdamer Mietervereine www.mieterverein-potsdam.de und www.babelsberger-mieterverein.de.

Kinderbetreuung

Es gibt viele Kitas in Potsdam, große, kleine,  in allen Stadtteilen, mit unterschiedlichen pädagogischen Konzepten. Sage und schreibe 17286 Plätze standen zum Ende des Kitajahres 2016/2017 zur Verfügung.  Leider ist die Auswahl dann doch nicht so groß, wenn die Eltern einen Platz suchen. Potsdam wächst seit vielen Jahren und die Zahl der Kitaplätze muss ständig erhöht werden. In Potsdam gibt es nur freie Träger, die im Auftrag der Stadt die Betreuung der Kleinsten übernehmen. Die Träger bauen und sind die Arbeitgeber der Erzieherinnen und Erzieher. Auch die Verträge schließen die Eltern mit den Trägern ab. Die Elternbeiträge sind dagegen in ganz Potsdam einheitlich geregelt. Dafür gibt es eine (Elternbeitragssatzung), die von den Stadtverordneten beschlossen wird. Neben den Kitas gibt es auch Tagesmütter und Tagesväter, die ebenfalls durch das Jugendamt überprüft werden. Sie dürfen in Brandenburg nur Kinder bis 3 Jahre aufnehmen.

Die richtige Kita

Die richtige Kita zu finden ist nicht einfach, doch Eltern sollten als erstes ihre eigene Checkliste machen. Was ist mir wichtig und was brauche ich dringend? Pädagogisches Konzept, Nähe zum Wohnort oder Arbeitsort, lange Öffnungszeiten,  möglichst kleine Kita? Dann kann man sich auf die Suche machen nach dem idealen Ort und hoffentlich finden. Hilfestellung gibt es im (Kita-Tipp) der Stadt Potsdam im Stadthaus. Über  das (Suchportal Kindertagesbetreuung der Landeshauptstadt Potsdam) bekommt man einen schnellen Überblick über alle Kitas und kann dann gezielt nachfragen.

Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz

Im Kita-Tipp gibt es auch das erste Formular (Rechtsanspruch auf Kindertagesbetreuung). In Brandenburg haben Kinder ab einem Jahr bis zum Ende der Grundschulzeit das Recht auf einen Krippen, Kita und Hortplatz. Je nach Arbeitszeit der Eltern wird dann der Betreuungsumfang der Kinder festgelegt. 4, 6,  8 oder eben 10 Stunden Betreuungszeit am Tag. Das nutzen ziemlich viele Eltern in Brandenburg. 98 Prozent aller Vorschulkinder werden in einer Kita betreut, das ist im Ländervergleich die höchste Quote. Das Land gibt auch vor, wie viele Kinder von einer Erzieherin betreut werden dürfen bzw. müssen. Die Träger der Kitas dürfen diesen sogenannten „Betreuungsschlüssel“ nicht unterschreiten. Alle Kinder sollen gleich gut betreut werden. Derzeit sind dies 5 Krippenkinder pro Betreuerin und 11 Kitakinder pro Erzieherin. Das Land Brandenburg zahlt dafür fast 387 Millionen Euro im Jahr.

Kiezkita

Ab Herbst 2017 werden wir „Kiezkitas“ in ausgewählten Wohngebieten einführen, in denen besondere pädagogische Herausforderungen bestehen. Diese Kitas erhalten zusätzliche pädagogische Fachkräfte, damit die Kinder bessere Entwicklungschancen haben. Auch in Potsdam werden vier Kitas als „Kiezkitas“ benannt.

Schule

Schulen sind Ländersache. Die Potsdamer Schulen stehen also unter der Aufsicht des Landes Brandenburg,  das Land finanziert den Unterhalt und entscheidet über (fast) alles: Welche Schulformen es gibt, wie viele Schulen es im Schulbezirk gibt, die Anzahl der Lehrer, die maximale Klassenstärke, der Rahmenlehrplan etc.  Fragen zum System, Infos und Materialien hält der Bildungsserver Berlin-Brandenburg bereit.

Während fast alle Städte und Gemeinden in Brandenburg mit einem massiven Schülerrückgang kämpften, hat Potsdam seit vielen Jahren das gegenteilige Problem. Potsdam wächst und somit werden alle Schulen gebraucht und neue müssen her. Potsdam muss aber den Neu- und Umbau von Schulen selbst organisieren und selbst finanzieren. Schulneubauten sind teuer und allein die Suche nach einem passenden Grundstück kann lange dauern. Mit einem großen Investitionsprogramm von über 160 Millionen Euro, das sie 2014 verabschiedete, versucht die Stadt Potsdam nun die Schullandschaft auf den neuesten Stand zu bringen. Sechs neue Schulen entstehen bis zum Jahr 2025.

Die Schulanfänger haben die Wahl zwischen 21 Grundschulen und zwei Oberschulen mit Primarstufe in Trägerschaft der Stadt. Darüber hinaus gibt es elf Grundschulen in freier Trägerschaft. Für die staatlichen Schulen gilt, wenn mehr Kinder angemeldet sind, als es Plätze gibt, entscheidet die Nähe der Wohnung zur Schule. Eine Übersicht mit den Kurzporträts gibt es hier.

Nach der Grundschule stehen 15 staatliche und sieben freie weiterführende Schulen zur Auswahl. Das Brandenburger Schulsystem sieht Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien vor. Von allen gibt es reichlich in Potsdam. Besonders begehrt sind die Gesamtschulplätze, denn sie bieten den Schülern mehrere Möglichkeit der Schulkarriere, vom Hauptschulabschluss bis zum Abitur.

Für diejenigen Kinder, die mehr Unterstützung für die Schule brauchen, stehen fünf Förderschulen in Potsdam zur Verfügung. Und wer als Erwachsener nochmal die Schulbank drücken will, ist in der Heinrich-von Kleist-Schule genau richtig.

Neben den allgemeinbildenden Schulen verfügt Potsdam noch über eine traditionsreiche Musikschule und eine Kunstschule. Beide erhalten finanzielle Unterstützung vom Land und der Stadt.

Frei oder Staatlich?

Fast ein Drittel der Schulen in Potsdam sind in freier Trägerschaft. Der größte Unterschied zwischen den beiden Systemen ist sicher, dass freie Träger immer eine Art von „Schulgeld“ von den Eltern verlangen. Die freien Schulen erhalten in Brandenburg lediglich etwa 80 Prozent ihrer Kosten aus dem staatlichen Topf und müssen daher die restlichen Kosten z. B. über Elternbeiträge einnehmen. Es gibt keine Vorgaben, wie der Beitrag gestaffelt ist. Freie Schulen unterstehen aber ebenfalls der staatlichen Schulaufsicht, sie brauchen eine Genehmigung zum Schulbetrieb. Eine besondere pädagogische Ausrichtung zeichnet viele freie Schulen aus. Waldorf- oder Montessorischulen sind dabei die bekanntesten. Einige bezeichnen sich auch allgemein als reformpädagogische Schulen oder haben einfach einen christlichen Träger. Die Unterschiede zu den staatlichen Schulen sind nicht immer besonders groß. In Potsdam wurde die erste staatliche (Montessori-Oberschule) in Deutschland gegründet und es gibt viele Schulen mit reformpädagogischen Ansätzen, die in städtischer Trägerschaft sind. Im Aufbau befindet sich auch eine städtische Montessori-Gesamtschule mit der Möglichkeit Abitur zu machen. Auch das ist bislang eine Besonderheit im deutschen Schulsystem.

Ausbildung

Es gibt eine sehr große Auswahl an Ausbildungsplätzen bei Potsdamer Unternehmen, um nach der Schule in den Beruf zu starten. Die richtige Ausbildung zu finden, die zu den eigenen Talenten passt, ist gar nicht so einfach, auch dabei gibt es so viele Möglichkeiten, dass man schon wieder in Schockstarre verfallen kann: Versucht es mal mit der Beratung in der Potsdamer Berufsberatung der Arbeitsagentur, auf einer Ausbildungsmesse oder bei der IHK Potsdam.

Berufliche Ausbildung ist in Deutschland dual, d.h. der praktische Teil wird im Ausbildungsbetrieb gelernt und der theoretische Teil in der Berufsschule. In Brandenburg sind die Berufsschulen Teil der Oberstufenzentren (OSZ). Angegliedert sind an den städtischen Zentren auch ein- oder zweijährige Fachoberschulen, an denen das Fachabitur möglich ist und Fachschulen, die auf einer Ausbildung aufbauend,  eine Weiterbildung und Spezialisierung ermöglichen. Jedes Oberstufenzentrum hat auch eine Berufsorientierungsklasse, wenn Jugendliche so gar keinen Plan haben, in welche Berufsrichtung  es denn gehen soll.

Das OSZ I hat den Ausbildungsschwerpunkt Technik.  In den grandios sanierten ehemaligen Reithallen und Pferdeställen der Garde Ulanen Kaserne am Rande des Bornstedter Feldes lernen  Maurer, Tischler, Fotografen, Verkäufer und Friseure ihr Handwerk. Hier kann man das technische Fachabitur erwerben.

Das OSZ II bietet Bildungsangebote aus dem Bereich Wirtschaft und Verwaltung. Seit Mai 2014 trägt es auch den Titel „Europaschule“. Auch hier reicht die Ausbildung von der Fachoberschule über die Berufsfachschule bis zu den verschiedenen Möglichkeiten der beruflichen Bildung in den dualen Bildungsgängen der Berufsschule. Hier lernen z. B. der/die Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement und Bankkaufleute. Es gibt eine schier riesige Anzahl an Unternehmensbereichen, die Kaufleute benötigen: Industriekaufleute, Kaufleute für Dialogmarketing, Personaldienstleistungskaufleute, Kaufleute für Speditions- und Logistikdienstleistungen, für Versicherung und Finanzen, für Tourismus und Veranstaltungskaufleute. Also, viel zu tun.

Am OSZ III mit dem Namen „ Johanna Just“ werden die Ausbildungsschwerpunkte Ernährung/Hauswirtschaft, Gesundheit und Soziales unterrichtet. Koch oder Köchin, Medizinische Assistent/in oder Erzieher/in - das sind die beliebtesten Berufe an der „Johanna Just“, die nach ihrer Gründerin und ersten Direktorin benannt wurde.  Die Schule wurde 1884 als „Frauengewerbe-, Haushaltungs- und Kochschule nebst Töchterpensionat“  eröffnet und später zur „Staatlichen Handels- und Gewerbeschule für Mädchen zu Potsdam“. Seit 1908 ist sie am heutigen Standort in der Berliner Straße. Seit einigen Jahren wird auch das soziale Fachabitur angeboten, mit dem Schülerinnen und Schüler an der Fachhochschule im Bereich Soziales studieren können.

Übrigens, Jugendliche, die bereits einen Ausbildungsvertrag in der Tasche haben, werden von ihrem Ausbildungsbetrieb am zuständigen OSZ angemeldet.

Eine Anlaufstelle für Jugendliche mit Behinderung, die noch nicht wissen, für welchen Beruf sie sich aufgrund ihrer Interessen und ihrer Einschränkungen entscheiden sollen oder können gibt es im Oberlin Berufsbildungswerk, das Zentrum für berufliches Reha-Assessment (ZEBRA). Zur Auswahl stehen z.B. eine Ausbildung im Oberlin-Berufsbildungswerk in Kombination mit der sonderpädagogischen Berufsschule Theodor Hoppe.

Berufliche Schulen in freier Trägerschaft sind hier zu finden.

Studium & Hochschule

Aus eigener Erfahrung kann ich Studieren in Potsdam nur empfehlen. Nicht nur Politikwissenschaft an der Universität Potsdam. Die Uni hat ein breites Angebot: Jura, Wirtschaftswissenschaften, Verwaltungswissenschaften, Soziologie, Psychologie, Linguistik, Sport- und Gesundheitswissenschaften, Erziehungswissenschaft und Lehrerbildung sowie eine große Palette der Naturwissenschaften werden angeboten. Wer das Außergewöhnliche sucht, wird auch fündig. Seit 2014 wird an der Uni Jüdische Theologie an der School of Jewish Theology gelehrt und Rabbiner ausgebildet. Der SAP-Gründer Hasso Plattner hat im letzten Jahr tief in seine Tasche gegriffen und der Universität Potsdam eine neue Fakultät für „Digital engineering“ geschenkt. Das spricht sich herum und tatsächlich ist die Universität Potsdam in diesem Jahr im Hochschulranking der THE - Times Higher Education unter die ersten 250 Hochschulen der Welt geraten.  Dabei ist sie noch eine ganz junge Universität. 1991 wurde sie als Nachfolgerin der pädagogischen Hochschule und der Hochschule für Recht und Verwaltung aus der DDR-Zeit neu gegründet. Inzwischen ist sie mit über 20.000 Studierenden die größte Universität in Brandenburg und – wie soll es anders sein in Potsdam – hier wird im Schloss gelernt und gelehrt. Zumindest in den repräsentativen Nebengebäuden des Neuen Palais direkt am Park Sanssouci. Zwei weitere Standorte sind in der Landeshauptstadt verteilt. Der Campus in Golm ist auf dem Gelände der ehemaligen Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit, heute beherbergt es die Humanwissenschaftliche und Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät. Der Sitz der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie der Juristen ist der Campus Griebnitzsee unweit der berühmten Babelsberger Filmstudios im Stadtteil Babelsberg.

Dort befindet sich auch die älteste und größte Filmhochschule Deutschlands, die seit 2014 den Rang einer Universität hat, die Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. Die Liste der aus Film und Fernsehen bekannten Absolventen und Dozenten ist riesig, meine Auswahl ist daher absolut subjektiv: Annekathrin BürgerAndreas DresenRobert GlatzederEgon GüntherBjarne MädelJaeckie Schwarz und Robert Thalheim.

Wer gerne praxisorientierter studiert, ist mit der Fachhochschule Potsdam gut bedient. Da steckt das Wort oft schon im Studiengang. „Soziale Arbeit oder „Kulturarbeit“ an der FH haben einen hervorragenden Ruf. Die FH begann 1991 im ehemaligen Institut für Lehrerbildung an der Friedrich-Ebert-Straße mit dem Fachbereich Sozialwesen. Das Gebäude aus den 70er Jahren wurde schnell zu klein und seit 2002 wird der Campus Pappelallee entwickelt. Das alte FH-Gebäude am alten Markt soll im Herbst 2017 abgerissen werden.

Toleranz

Mit dem in Französisch verfassten  „Edikt von Potsdam“ aus dem Jahr 1685 lockte der Große Kurfürst, Friedrich Wilhelm von Brandenburg, die wegen ihrer Religion verfolgten Hugenotten nach Preußen. Das Dokument wurde in 2.000 Exemplaren an die Gesandten von Paris und an den Fluchtwegen in Hamburg, Regensburg, Den Haag und Frankfurt am Main verteilt. Friedrich bot den Franzosen eine neue Heimat in Stendal, Werben, Rathenow, Brandenburg und Frankfurt a. d. Oder. Potsdam hatte zu diesem Zeitpunkt gerade zu wenig Wohnraum zur Verfügung, konnte also nur einige der etwa 20.000 Flüchtlinge aufnehmen.  Auch eine deutsche Fassung des Edikts wurde verteilt, um die Brandenburger zu informieren, was sie mit den Einwanderern erwartet.

Das sogenannte „Potsdamer Toleranzedikt“ war der Auftakt zu einer aktiven Einwanderungspolitik der preußischen Machthaber, von dem dann auch Potsdam profitierte. Neben den französischen Hugenotten wurden niederländische Handwerker, böhmische Weber und Schweizer Landwirte in das Land eingeladen. Sie erhielten Privilegien wie Landerwerb, Erbrecht, Dienstbefreiung, Bezahlung des Predigers und einiges mehr, mussten dafür aber den kargen und teilweise sumpfigen Boden bearbeiten, um zu überleben. Die neuen Brandenburger integrierten sich mit den üblichen Begleiterscheinungen: Es gab Widerstände, Neid, Übergriffe und Konkurrenzdenken auf allen Seiten. Übriggeblieben in Potsdam ist vor allen die Architektur, vom Holländischen Viertel bis zur Französischen Kirche, der Rest ist Geschichte.

2008 entstand die Idee, das Potsdamer Toleranzedikt neu aufleben zu lassen. Daraus wurde ein Verein, („Neues Potsdamer Toleranzedikt – Gemeinsam für eine weltoffene Stadt e.V.“)  der sich für die Weiterführung des Toleranzediktes, Weltoffenheit und ein friedliches Miteinander aber auch gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Intoleranz engagiert. 

In der Tradition des Potsdamer Toleranzediktes, sehr pragmatisch, sehr bunt und sehr engagiert ist auch das Bündnis („Potsdam! Bekennt Farbe“), ins Leben gerufen und koordiniert von der Potsdamer Stadtverwaltung. Das Bündnis positioniert sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit und organisiert seit vielen Jahren das Potsdamer Fest für Toleranz. Als der Pegida-Ableger Pogida in der Landeshauptstadt seine Asyl- und Islamfeindlichen Demonstrationen durchführte, stellte sich das Bürgerliche Bündnis friedlich und mit zahlreichen Mitgliedern dagegen.

Bereits seit 1998 existiert auch ein landesweites Bündnis („Tolerantes Brandenburg“) mit einem Handlungskonzept für die Auseinandersetzung mit Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Im Jahr 2005 wurde dieses Konzept erweitert und stärker auf die Förderung einer starken Demokratie ausgerichtet, in der sich Bürgerinnen und Bürger aktiv an der Gestaltung beteiligen.

Ich bin im Übrigen sehr stolz in einer solch lebendigen Zivilgesellschaft zu leben.

Kultur

Im Jahr 2010 hat sich Potsdam als Kulturhauptstadt Europas beworben und wurde leider nicht ausgewählt. Unverständlich für die Potsdamer, denn Potsdam ist Kultur pur, selbst wenn wir die Schlösser hier einmal abziehen. Potsdam erhält als Landeshauptstadt von der Brandenburger Landesregierung eine finanzielle Förderung für die Kulturszene. Die großen Institutionen wie das Hans-Otto-Theater, der Nikolaisaal mit den Musikfestspielen und die freie Szene (z.b. die Tanzfabrik oder das soziokulturelle Waschhaus) erhalten etwa die Hälfte ihres Budget aus Landesmitteln. Dazu vergibt das Kulturministerium jedes Jahr Förderungen einzelner Projekte und Festivals. Ohne die Landesförderung wäre diese vielfältige Kunst- und Kulturszene in Potsdam daher nicht möglich.

Das Hans-Otto-Theater an der Schiffbauergasse

Musik und Tanz

Im Chor singen ist der beliebteste kulturelle Breitensport der Potsdamer. Bereits 1814 wurde der „Gesangsverein für klassische Musik“ gegründet aus dem die Singakademie Potsdam e. V. und der Oratorienchor Potsdam e. V. entstanden. Beide Vereine arbeiten mit verschiedenen Orchestern und führen traditionelle wie auch zeitgenössische sinfonische Werke von Johann Sebastian Bach bis Guiseppe Verdi auf. Die Singakademie widmet sich zusätzlich dem A-Capella-Gesang und hat einen großen Kinder- und Jugendchorbereich. Klassisch geht es ebenfalls beim dritten großen Chor in Potsdam zu: die Potsdamer Kantorei residiert in der Erlöserkirche in Potsdam West. Musik an der Nikolaikirche ist ebenfalls ein wichtiges Element im kirchenmusikalischen Leben Potsdams. In der beeindruckenden Kirche am alten Markt üben die Mitglieder des Nikolaichores und des Bläserchores. Auch in den anderen Kirchen, Schulen und Kulturhäusern wird mit großer Freude getönt. Es findet sich ein Chor für jede Ton- und Lebenslage. Der Chor International Potsdam hat sich z.B. auf Lieder aus aller Welt in verschiedenen Sprachen spezialisiert, der Generationenchor bringt Senioren und Studierende zusammen und probt deutschsprachige Pop- und Rocksongs sowie Volkslieder.

Wenn die Potsdamer nicht selbst singen, gehen sie in den Nikolaisaal, um der Kammerakademie Potsdam, dem Deutschen Filmorchester Babelsberg oder einem anderen Orchester-Hörgenuss zu lauschen. Jazz, Volksmusik, Blues oder Rock sind selbstverständlich in Potsdams größtem Konzert- und Veranstaltungshaus auch im Programm zu finden.

Wer sich zur Musik mehr bewegen will, hat ebenfalls eine große Auswahl in Potsdam: Die jüngeren treffen sich im Waschhaus, im Lindenpark, im Archiv und im Spartacus.  Für die älteren Wilden gibt es seit kurzem den Live Club im alten Bahnhof Pirschheide. Bewegen und bewegt werden ist die Spezialität der fabrik Potsdam. Das internationale Zentrum für Tanz und Bewegungskunst ist in der Schiffbauergasse zuhause. Das Tanzhaus präsentiert auf der Bühne Produktionen von internationalen Tanzkompanien und im Studiohaus finden Kurse und Workshops statt. Die Tanz- und Bewegungskurse der Fabrik sind vielfältig: Von Hatha Yoga bis Swingtanz und für alle Altersstufen.

Festivals

Die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci sind für die Liebhaber klassischer alter Musik der Höhepunkt im musikalischen Jahr. Die Festspiele verwandeln die preußischen Schlösser und Gärten Potsdams mit zahlreichen Konzerten und Opernaufführungen in eine große Festivalbühne. Traditionell wird das Festival mit einem Open-Air-Konzert vor den Terrassen von Schloss Sanssouci eröffnet. Preisgekrönt und inzwischen fester Bestandteil des Festivals ist das Fahrradkonzert. Einmal im Jahr Sonntags fahren dann Hunderte große und auch viele kleine Besucher mit dem Fahrrad quer durch die Stadt von einem Musikereignis zum nächsten.

Die Potsdamer Tanztage der Fabrik Potsdam sind seit 1991 ein jährlich wiederkehrendes internationales Tanzfestival und das wichtigste Festival für Darstellende Kunst im Land Brandenburg. Tanzkompanien aus der ganzen Welt bieten ein hochkarätiges Spektrum verschiedener Tanztheaterformen an. Die Fabrik wird zur Bühne der internationalen Tanzszene und die Potsdamer feiern begeistert mit.

UNIDRAM ist ein fünftägiges internationales Theaterfestival in der Schiffbauergasse. Veranstalter ist der Theaterverein T-Werk.  Es ist eine Plattform für zeitgenössisches visuelles Theater freier Theatermacher und ist genreübergreifend konzipiert. Die Inszenierungen bewegen sich zwischen Schauspiel, Figurentheater, Tanz, Musik, Bildender Kunst und Performance. Sehenswert.

Theater

Das Flaggschiff der Potsdamer Theaterszene ist das Hans-Otto-Theater, am Standort Schiffbauergasse. Das HOT residiert seit 2006 im Theaterneubau am Tiefen See mit seinem markanten roten Blütendach. Das Dach bleicht aus und das ist vom Architekten so gewollt, auch wenn mancher Zuschauer denkt, dies sei der Sparsamkeit der Stadtverwaltung zu verdanken, die nicht einmal einen Eimer Farbe für die Kultur übrig haben. Drinnen im Gebäude geht es etwas bunter zu. Das Ensemble spielt Stücke, Texte und Projekte von Gegenwart bis Klassik, Drama bis Volkstheater, Musical bis Dokumentarspiel.

Rund um das HOT kreisen die kleinen  und feinen freien Ensembles und Theaterstätten. Im früheren Pferdestall in der Schiffbauergasse findet sich das T-WERK mit einer kleinen Bühne. Neben eigenen Inszenierungen stehen auch Masken- und Figurentheater für große und kleine Zuschauer auf dem Spielplan.  Das T-WERK bespielt auch den weitläufigen Innenhof der einstigen Pferdeställe, den Schirrhof, z. B. bei der Langen Nacht der Theater. Zu Gast im T-Werk ist auch gelegentlich das Poetenpack, ein Ensemble aus freischaffenden Künstlern, die mit eigenen Inszenierungen durch ganz Deutschland touren. Heimathafen der bunten Truppe ist aber der Q-Hof in Potsdam-West, ein ehemaliger Bauernhof am Rande des Park Sanssouci.  Auch klein und gar nicht unbedeutend sind die Kinder- und Jugendtheaterkurse des offenen Kunstvereins OKEV. Das Theaterschiff ist eine schwimmende Kleinkunstbühne die ebenfalls im Tiefen See in der Schiffbauergasse ankert. Der umgebaute Lastkahn aus dem Jahr 1927 hat Platz für über 200 Gäste in seinem Schiffsbauch. Bekannt ist das eingetragene Industriedenkmal des Landes Brandenburg auch für die nächtlichen Partys mit dem Potsdamer Dj Rengo.

Bildende Kunst

Potsdams Künstler haben seit zwei Jahren einen kreativen Mittelpunkt im Zentrum der Stadt: Das Rechenzentrum ist ein ehemaliges Verwaltungsgebäude des Landes Brandenburg und nun ein Kreativhaus mit mehr als 200 Räumen. Die Stadt stellt diese günstig zur Verfügung und etwa 250 kreative Menschen entwerfen hier Kunst in allen Formen. Es gibt bildende Künstler, Maler, Schriftsteller, Fotografen, Modedesigner,  Hobbyhandwerker, Geigenbauer, Regisseure und kreative Arbeiter, für die noch keine Berufsbezeichnung gefunden wurde. Gemeinsam gestalten sie auch Ausstellungen, Feste und Produktionen für die Bühne des Rechenzentrums.

Wie viele Ateliers bzw. Atelierräume es in Potsdam insgesamt gibt, ist ein kleines Geheimnis, denn nicht jeder Künstler möchte – zumindest bei der Produktion der Werke– in der Öffentlichkeit stehen. Die Stadt unterstützt neben dem Rechenzentrum das neue Atelierhaus Panzerhalle in Groß Glienicke und die Atelierräume in Haus 1 des freilandes.

Ausstellungsmöglichkeiten gibt es in der Landeshauptstadt in den Atelierhäusern und, je nach Bekanntheitsgrad der Kunstschaffenden, in einem der Kunsthäuser der Stadt.  In der Schiffbauergasse ist der Kunstraum Potsdam, der junge zeitgenössische Kunst internationaler Orientierung präsentiert. Der Kunstraum gehört organisatorisch zum soziokulturellen Waschhaus und wird von der Stadt Potsdam finanziert. Das Museumshaus im Güldenen Arm zeigt überwiegend Werke regionaler Künstler, während die private Villa Schöningen Ausstellungen mit renommierten und international bekannten Stars von Joseph Beuys bis Anselm Kiefer präsentiert. Auch die beiden Potsdamer Kunstvereine zeigen wechselnde Ausstellungen in ihren Räumen. Der Brandenburgische Kunstverein Potsdam e.V. bespielt den gläsernen Ausstellungspavillon auf der Freundschaftsinsel mit herausragender Gegenwartskunst. Der Verein KunstHaus Potsdam e.V. hat seinen Sitz im ehemaligen Pferdelazarett der Garde-Ulanen-Kaserne am Eingang des Bornstedter Feldes. Das Haus zeigt ausschließlich zeitgenössische Kunst. Ganz klassische Galerien sind in Potsdam ebenfalls vertreten. Hier ist eine kleine Auswahl: Bei Frederike Sehmsdorf in der Galerie Kunst-Kontor wird zeitlose und gegenständlich-figurative Kunst verkauft. Werner Ruhnke zeigt in der Galerie Ruhnke zeitgenössische abstrakte Kunst. Viermal im Jahr überlässt er seine Räume dem BVBK, dem Verband der Brandenburgischen bildenden Künstler, für die Ausstellung der Mitglieder. Und wer auf Bilder von und mit Prominenten steht, ist bei den beiden Galerien von Albert Baake genau richtig. Auch eine gute Mischung aus Galerie und Cafe ist der Bildhaus-Laden der Fotografin Karoline Wolf in Babelsberg. Neben tollen Fotografien gibt es leckeren Kuchen.

Bei einem Spaziergang durch die Stadt entdeckt man fast an jeder (Straßen-)Ecke Kunst im öffentlichen Raum. Vom Obelisken aus den Zeiten Friedrich des Großen über DDR-Kunst an Wohnhäusern bis zur modernen Skulptur am Ufer des Tiefen Sees ist jede Epoche vertreten. Mit dem Walk of Modern Art Potsdam setzt die Landeshauptstadt diese Tradition fort. Ein Skulpturenpfad mit 14 Standorten führt an der Havel entlang über öffentliche Wege und Straßen. Der Pfad verbindet den Kulturstandort Schiffbauergasse mit dem Potsdam Museum am alten Markt. 

Gedenken

In der Stadtmitte, in einer Seitenstraße der belebten Potsdamer Einkaufsmeile, liegt die Gedenkstätte Lindenstraße. Das barocke Stadtpalais diente seit Mitte des 19. Jahrhunderts als Gerichtshof und Gefängnis. In der Zeit des Nationalsozialismus war im Gebäude ein "Erbgesundheitsgericht" eingerichtet. Das Gericht entschied über die Zwangssterilisation von Menschen, die unter das rassistische „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ fielen. 1939 wurde es zum Untersuchungsgefängnis für politische Häftlinge. Nach dem Krieg nutzen der russische Geheimdienst und später die Stasi den Ort in gleicher Funktion. Mit der Wende wurde es zum Haus der Demokratie und erst 2007 zur Gedenkstätte umgewandelt. Hinter der barocken Fassade sind noch die originalen Gefängniszellen zu sehen, in denen Menschen Opfer von politischer Verfolgung und Gewalt der verschiedenen Diktaturen wurden. Im Gebäude tagte aber auch die erste freie Stadtverordnetenversammlung 1990. Die Gedenkstätte Lindenstraße 54/55 ist somit der einzige authentische Gedenk- und Erinnerungsort in Ostdeutschland, der sowohl die Geschichte der NS-Zeit, der sowjetischen Besatzungszeit, der DDR-Diktatur als auch die Ereignisse der Wendejahre 1989/1990 widerspiegelt. Seit 2014 ist die Gedenkstätte eine gemeinsame Stiftung des Landes und der Stadt Potsdam.

Gedenkstätte Lindenstraße

In der Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße befand sich von August 1945 bis 1991 das zentrale Untersuchungsgefängnis der sowjetischen militärischen Spionageabwehr. Der KGB hinterließ eine Haftanstalt, die in beklemmender Authentizität die schrecklichen Bedingungen der Häftlinge zeigt. Die Geschichte des Gebäudes und der damit verbundenen Schicksale stehen im Mittelpunkt der ständigen Ausstellung. Das Gefängnisareal befand sich im wichtigsten sowjetischen Geheimdienststandort in Deutschland, dem Militärstädtchen Nr. 7. Der Potsdamer Stadtteil mit rund 100 Villen und Wohnhäusern war hermetisch abgeriegelt. Inzwischen führt ein 2,5 km langer Geschichtspfad durch die einst „Verbotene Stadt“ und informiert an 14 Punkten über die Geschichte des Gebietes. 

2011 entbrannte ein Streit über die Erinnerungskultur in der Landeshauptstadt. Anlass war die Holocaust-Gedenkfeier der Stadt an der von Wieland Förster geschaffenen Skulptur „Für die Opfer“ im Innenhof der Gedenkstätte. „Kann man an einem Ort an dem nationalsozialistische Täter inhaftiert waren, würdig an die Opfer denken? Und wenn, an welche Opfer?“ war die zentrale Kritik des Bundes der Antifaschisten. Die Stadt nahm dies zum Anlass, ein städtisches Erinnerungskonzept zu erarbeiten, eine Richtschnur für die Frage, an welchen Tagen wo gedacht werden kann oder werden soll. Selbstverständlich war die Diskussion dazu öffentlich und durchaus streitbar, denn in Potsdam gibt es eine facettenreiche Erinnerungskultur, die von verschiedenen Vereinen, Verbänden und Initiativen getragen wird.

Ein Ergebnis des öffentlichen Diskurses war: Bestimmte Gedenktage sind für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Potsdam besonders bedeutsam. Die Landeshauptstadt Potsdam richtet daher jährlich am 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag und am 9. November, der Pogromnacht von 1938 und gleichzeitig Mauerfall 1989, sowie am 13. August, dem Tag des Mauerbau im Jahr 1961, offizielle Gedenkveranstaltungen aus. Von großer Bedeutung ist für die Stadt Potsdam auch das Gedenken an den 14. April. Die sogenannte „Nacht von Potsdam“ bedeutete die Bombardierung und fast komplette Zerstörung der Potsdamer Innenstadt 1945.

Ein zweiter zentraler Punkt des Erinnerungskonzeptes ist der Umgang mit den Gedenkorten in Potsdam. Der ehemalige Mauerstreifen ist auch heute noch strittiges Thema, vor allem aufgrund der Eigentumsverhältnisse. In Groß Glienicke und am Griebnitzsee ist es gelungen, jeweils eine Mauergedenkstätte zu errichten. Sie erinnern mit den Überresten der originalen Grenzzäune und Betonwände an die Deutsche Teilung und die Menschen, die aufgrund dieser Mauer sterben mussten.

Museen

Das Haus der brandenburgisch-preußischen Geschichte ist das zentrale Brandenburger Landesmuseum mit interessanten wechselnden Ausstellungen von der Freikörperkultur in den 20er Jahren bis zur Bedeutung des Reformators Luther.  Seit 2007 ist es – etwas versteckt – auf dem neuen Markt in Potsdam zu finden. Besonders eindrucksvoll ist der große Veranstaltungsraum mit seinem historischen Gewölbe. Finanziert wird das Museum im ehemaligen königlich-preußischen Kutschstall von der Landesregierung.

Das Museum Barberini an der Alten Fahrt

Das städtische Potsdam Museum hat 2012 endlich einen angemessenen Platz am alten Markt gefunden. Es ist in dem barocken Ensemble von ehemaligen Alten Rathaus und dem angrenzenden Knobelsdorffhaus untergebracht. Markantes Wahrzeichen des Museums ist die vergoldete Atlas-Figur auf der Kuppelspitze des Alten Rathauses. Sie ist auch das Symbol des Fördervereins des Potsdam Museums, deren Mitglieder engagiert für ihr Stadtmuseum eintreten. Das Museum sammelt, bewahrt und zeigt Objekte zur Kultur und Geschichte der Landeshauptstadt. Die Dauerausstellung „Potsdam. Eine Stadt macht Geschichte.“ gibt einen Überblick über 1000 Jahre Geschichte der Stadt. Parallel dazu wird in einer Sonderausstellung jeweils ein Aspekt der spannenden Kunst- und kulturgeschichtlichen Entwicklung Potsdams betrachtet.

Sehr beliebt, vor allem bei den kleinen Potsdamern, ist das Naturkundemuseum. Es ist das einzige Naturkundemuseum in Brandenburg. Hier gibt es ausgestopfte Bären, Wölfe, Vögel und echte Fische zu bestaunen. Das Museum zeigt eben die komplette tierische Artenvielfalt im Land Brandenburg. Ein Wisent und ein Elch, die sich von Polen nach Brandenburg verirrt hatten, sind auch zu sehen. Leider gibt es zum Verdruss der Potsdamer Abgeordneten keine Landesmittel für das Museum.

Das Filmmuseum wird dagegen komplett über das Land finanziert. Es behütet unter anderem das DEFA-Erbe und residiert im ältesten Haus der Stadt, im Marstall, dem Pferdereitstall der Preußischen Könige. Bereits 1981 wurde das „Filmmuseum der DDR“ dort eröffnet und 1990 von der Landesregierung übernommen. Seit 2011 ist es auch Teil der Filmuniversität Konrad Wolf. Das Museum zeigt die Welt es Films und besonders die Geschichte des Babelsberger Filmstandortes, von der UFA zur DEFA bis zu den erfolgreichen Studio Babelsberg Produktionen heute.

Architektonische Kleinode sind auch das Museum Alexandrowka im russischen Viertel und das Jan Bouman Haus im holländischen Viertel der Stadt. Beide sind im Original restaurierte Häuser und zeigen den typischen Baustil der beiden Stadtteile, die für die russischen und holländischen Einwanderer gebaut wurden. Mit Möbeln und Hausrat ihrer Zeit, geben Sie einen Einblick in die Alltagskultur der Bewohner, die für den Aufbau der Mark angeworben worden waren.

Das FLUXUS+ Museum war das erste private Museum in Potsdam. Es ist eine Stiftung des Mäzens Heinrich Liman und zeigt die Arbeiten des Künstler Wolf Vostell sowie weiterer Künstler der Fluxus-Bewegung.  Beheimatet ist das Museum seit 2008 in der Schiffbauergasse.

Das Museum Barbarini ist das jüngste und inzwischen bekannteste Museum Potsdams. Bereits vor dem Bau und der Eröffnung im Januar 2017 machte das Museum Schlagzeilen. SAP Gründer Hasso Plattner suchte in Potsdam einen Platz für seine hochkarätige Kunst-Privatsammlung. Die Idee, das Hotel Mercure im Lustgarten abzureißen und einen Museumsneubau zu errichten, erregte die Gemüter der Potsdamer. Schließlich kam es zu der Entscheidung Plattners, das ehemalige Palais Barbarini originalgetreu wieder aufzubauen und dort das Kunstmuseum unterzubringen. Die Potsdamer und die Kunstwelt sind begeistert.