Rettungsdienst im deutsch-polnischen Grenzraum

Auf Antrag der Fraktion von CDU und Grünen sollte die Landesregierung aufgefordert werden, die Verhandlungen über den grenzüberschreitenden Rettungsdienst mit der Republik Polen als Bestandteil der Daseinsvorsorge und nach Artikel 4 des deutsch-polnischen Rahmenabkommens über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.

Dieser Antrag ist grundsätzlich zu befürworten. Es mangelt in der Tat an einer solchen Kooperationsvereinbarung, die dringend erforderlich ist. Das betonen die Beteiligten auf beiden Seiten der Grenze aber auch Fachverbände wie der Deutsch-Polnische Gesundheits- und Sozialverband seit Jahren.

Das Land Brandenburg kann hier allerdings nur flankierend und unterstützend tätig werden. Dazu eine kurze rechtliche Erläuterung:

Im deutsch-polnischen Verhältnis gilt das Rahmenabkommen über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst vom 22. Mai 2013 (BGBl.2013 Teil II Nr. 19, S. 998 und Dz. U. 2013 poz. 678). Gemäß Artikel 3 erstreckt sich dieses räumlich auf die Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und den Freistaat Sachsen sowie auf die Wojewodschaften Niederschlesien, Lebuser Land und Westpommern.

Die Zuständigkeit für das Rettungswesen ist in Deutschland zweigeteilt. Das Land Brandenburg ist zuständig für die Aufsicht und den Luftrettungsdienst. Die Landkreise sind zuständig für den bodengebundenen Rettungsdienst. Das Gesetz über das Rettungswesen im Land Brandenburg enthält keinerlei Bestimmungen zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.

In Polen hat der Gesundheitsminister die Aufsicht über das Rettungswesen. Der Wojewode hingegen ist zuständig für die Planung (der Plan ist dann vom Minister zu genehmigen), die Organisation, die Koordination und die Aufsicht auf dem Gebiet der jeweiligen Wojewodschaft. Die Tätigkeiten der Rettungswesensteams werden aus dem staatlichen Haushalt finanziert, über den der Wojewode verfügt. In diesem Zusammenhang hat die Wojewodschaft Lubuskie mit Schreiben vom 23. November 2017 mitgeteilt, dass eine Vertrags-Zeichnung durch das Land nach einer Einschätzung der Regierung in Warschau nunmehr nicht mehr erforderlich wäre.

Konsequenterweise besteht daher gemäß Art. 4 des Abkommens die Möglichkeit, dass die Träger des Rettungsdienstes (also die Kreise und die Wojewodschaften) aus beiden Ländern direkte Kooperationsvereinbarungen zu den im Abkommen festgelegten Inhalten abschließen. Der Landkreis Greifswald-Vorpommern hat eine solche Vereinbarung mit der Wojewodschaft Westpommern bereits abgeschlossen.

Das bedeutet allerdings, dass eine solche Kooperationsvereinbarung unmittelbar zwischen dem Landkreis und der Wojewodschaft abzuschließen ist. Und gerade nicht durch das Land Brandenburg.

Allerdings ist es sinnvoll, dass es im Land Brandenburg nicht verschiedene Kooperationsvereinbarungen gibt, sondern dass diese in allen Landkreisen abgestimmt und identisch sind.

Das Land Brandenburg kann insoweit als Mittler und Moderator im Rahmen der Aufsichtsfunktion fungieren. Primär bleiben jedoch die Landkreise zum Abschluss einer solchen Kooperation aufgerufen.

Dennoch hat das Land ja bereits diese Moderationsfunktion auf- und wahrgenommen. Es liegt in der Zwischenzeit der Entwurf einer Kooperationsvereinbarung zur Umsetzung des Rahmenabkommens mit Stand vom 24.11.2017 vor.

In der Sitzung der Euroregion Spree-Neiße-Bober am 20.03.2018, an der das Innenministerium, das Ministerium für Justiz und Europa, der Landrat des Landkreises SPN und Vertreter der polnischen Wojewodschaft teilnahmen, wurde intensiv über dieses Thema diskutiert und es wurden konkrete weitere Schritte vereinbart. (Herr Nowka war übrigens in der Sitzung anwesend).

Wie in dieser Situation die neue Koordinatorin für die deutsch-polnische Zusammenarbeit Frau Renata Szczech zuständig sein soll, bleibt das Geheimnis der Antragsteller.

Da Frau Szczech eine adäquate Funktion wie Dietmar Woidke hat, kann sie hier keine eigenständige Kooperationsvereinbarung schließen. Dies würde klar gegen das Rahmenabkommen verstoßen, da die Zuständigkeit bei den Landkreisen /Wojewodschaften liegt.

Ziel muss es vielmehr sein, dass es schnell zu einem Abschluss von einheitlichen Kooperationsvereinbarungen in den Grenzlandkreisen kommt.

Allerdings reicht das allein auch nicht aus. Wir brauchen auch Sprachförderung bei Sanitätern und Fachkräften vor Ort und gemeinsame Übungen und Schulungen, wie das zum Beispiel in Greifswald geschieht und eine enge Verzahnung der Leitstellen.

Das gemeinsame Zentrum der deutsch-polnischen Polizei- und Zollzusammenarbeit in Swiecko zeigt uns, welches Potential auch gemeinsame Strukturen haben. Daher ist aus meiner Sicht der Abschluss der Kooperationsvereinbarung ein erster Schritt, dem weitere folgen müssen. Lohnend scheint mir zu prüfen, ob sich für den grenzüberschreitenden Rettungsdienst die Gründung eines Europäischen Verbundes für territoriale Zusammenarbeit (ETVZ) eignet.

Den Antrag haben wir daher im Anliegen, aber nicht in der Umsetzung unterstützt und haben ihn daher mehrheitlich abgelehnt.

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