Klimawandel: Potsdams Schlossgärten schützen

Die Potsdamer Schlossgärten leiden. Die trockenen Sommer der letzten Jahre sowie die heftigen Stürme haben schwere Schäden hinterlassen. Unsere historischen Gärten sind nicht nur unser kulturelles Erbe, das wir schützen müssen, sie sind Teil des Potsdamer Lebensgefühls. Wir genießen sie kostenlos, gehen dort spazieren und an den Seeufern baden. Das soll so auch bleiben. Damit unser Weltkulturerbe unbeschadet die nächsten Jahrhunderte überdauert, müssen wir tätig werden. Ich schlage vier Maßnahmen vor, um unsere Parklandschaften vor dem Klimawandel zu schützen.

Botschafter der Natur über die Jahrhunderte

Zum Potsdamer Lebensgefühl gehört der kostenlose Eintritt in die Schlossgärten. Ich zeige meinen Besuchern immer wieder stolz die wunderschönen Parkanlagen. Seit einigen Jahren sind viele Wege wieder mit dem Fahrrad zugänglich und spazieren gehen ist sowieso gerne gesehen. Doch die Gärten haben unter den gewaltigen Wetterkapriolen der letzten Jahre schwer gelitten. Die Bäume sind durch die Hitze geschwächt und verlieren Äste. Der Grundwasserspiegel sinkt, der Boden ist ausgetrocknet und die Wege erodieren. Die Blumenrabatten und jahrhundertealten Bäumen brauchen mehr Pflege als früher. Leider benehmen sich einige Besucher auch nicht so, wie es in einer historischen Gartenanlage angebracht ist. Fußball spielen auf der Trockenrasenwiese, den Grill anwerfen und den Hund frei laufen lassen schädigt die Parklandschaft zusätzlich. Ich bin mir sicher, dass viele einfach unbedarft und ohne nachzudenken den Park als Erholungsgebiet nutzen. Doch die Gärten sind denkmalgeschützte Kulturgüter und Biotope, die Schlösserstiftung muss darauf aufmerksam machen und schlimmeres verhindern.

Weltkulturerbe kostet

Die preußischen Schlösser und Gärten in Potsdam sind Weltkulturerbe und die Brandenburger, Berliner und der Bund sind die stolzen Besitzer. Das verpflichtet aber auch. Die Stifter haben einen zweiten Masterplan angestoßen, um dringend notwendige Investitionen zu finanzieren. Ich habe mich dafür bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin sehr dafür eingesetzt. Bis zum Jahr 2030 werden 400 Millionen Euro von den Ländern Brandenburg, Berlin und dem Bund in Sanierungen der Schlösser und Anlagen fließen. Auch die Stadt Potsdam beteiligt sich an den Kosten für den Erhalt der Gärten mit jährlich eine Million Euro. Diese Summe wird für die historischen Gärten nicht ausreichen, das ist sicher. Nach dem Masterplan für die Schlösser braucht es dringend weitere Investitionen in die Gartenkunstanlagen. 

Die Wissenschaft muss helfen

Als erstes müssen die Auswirkungen des Klimawandels wissenschaftlich untersucht werden. Es gibt eine Arbeitsgruppe „Historische Gärten im Klimawandel“ die sich mit dem Thema auseinandersetzt und auch die Frage stellt, wie unsere Gärten unter den veränderten Bedingungen überleben können – in ihrer ganzen Pracht! Die Parks sind schließlich lebendige Denkmäler und sehr sensibel. Die Schlösserstiftung ist z.B. auf der Suche nach Pflanzen, die den Hitzestress besser vertragen. Ich bin mir sicher, dass es gute Lösungen geben wird, doch sie werden auch kostenintensiv sein. Unsere wunderbaren Naturdenkmäler sind es aber wert. 

Vier Maßnahmen für den Schutz unserer Schlossgärten

  • Das Pflegedefizit in den Parks darf sich nicht noch vergrößern.Die Schlösserstiftung benötigt mehr Geld für Gärtnerinnen und Gärtner und zum Ausbau der eigenen Gärtnerei um widerstandsfähige Blumen und Bäume zu züchten. 
  • Nach dem Masterplan zum Erhalt der Bausubstanz brauchen wir auch Investitionen in die Parks, um eine Klimaanpassung vorzunehmen. 
  • Die Veränderung in den Gärten muss wissenschaftlich begleitet werden. Parkanlagen sind nicht nur Gartenkunst, sondern Botschafter der Natur über die Jahrhunderte hinweg. 
  • Der Park ist für uns alle da und trotzdem dürfen wir nicht alles. Als Besucher können wir mit Achtsamkeit und Rücksicht helfen, unsere Parkanlagen zu erhalten. 

Foto: Martina Wilczynski

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