„Halbmond über Brandenburg“ – Film und Diskussion am 29.11. um 19 Uhr

„Halbmond über Brandenburg. Die Mark, der Nahe Osten und der Islam“ – Film mit anschließender Diskussion mit den Autoren Kristoffer Born und Chistoph Wunnicke sowie MdL Klara Geywitz

Donnerstag, 29. November 2018, Potsdam Kutschstall, Beginn 19 Uhr

Friedrich Abdullah und Susanne Suleika waren die Kinder von Tatarischen Reitern, die 1795 vom preußischen König für seine Truppen angeworben wurden. Die Familien fühlten sich wohl in der neuen Heimat und zeigten das sehr eindeutig bei der Namenswahl ihrer Nachkommen. Diese Geschichte der ersten Muslimisch- Brandenburg-Preußischen Staatsbürger und noch viel mehr Anekdoten, aber auch Anrührendes und Erschreckendes erzählt die Dokumentation „Halbmond über Brandenburg. Die Mark, der Nahe Osten und der Islam“ Ein Film über die tiefe Verbindung zwischen Brandenburg und dem Orient. Er beginnt mit einem Schwenk über das ehemalige Gefangenenlager in Wünsdorf . 1915 wurde das Lager für die muslimischen Kriegsgefangenen des 1. Weltkrieges aus den Kolonialreichen im Brandenburgischen errichtet.  Die Lagerinsassen sollten zum Aufstand gegen ihre Kolonialherren bewegt werden – zum Dschihad, dem heiligen Krieg. Warum ausgerechnet am Rande von Berlin dieser Ort entstand, wird im Film dann mit einem detailreichen und durchaus auch kurzweiligen Blick in die Historie von Brandenburg versucht zu beantworten. Landesarchäologe Dr. Thomas Kersting berichtet von den Slawen, die noch vor der christlichen Besiedelung des Brandenburger Landes den Sklavenhandel mit Europa und dem Orient betrieben und von den arabischen Silbermünzen, die daher bei vielen Ausgrabungen in der Mark gefunden werden. Dr. Stephan Theilig, Leiter des Brandenburg-Preußen Museums in Wustrau plaudert über Friedrich dem Großen, der mit seinem Toleranzedikt Muslime nach Preußen lockte und erzählt von der Begeisterung, die 1763 der Besuch des osmanischen Gesandten in Berlin auslöste.  Die Muslime als Feindbild, als „Geisel Gottes“ mit dramatischen Bildern, die sich in unser kulturelles Gedächtnis eingebrannt haben, spielen ebenso eine Rolle wie die muslimische SS-Einheit, die in Guben ausgebildet wurde und die Abteilung „Internationale Beziehungen“ der Stasi-Hochschule in Golm.

Der Film lebt von den sehr lebendigen Schilderungen der erzählenden Wissenschaftler. Mehr als eine Stunde werden wir in die verschiedenen Facetten des Orients im Preußischen hineingesogen. Eine spannende Reise in die Vergangenheit , die am Ende wieder politische Brisanz erhält.  Am gleichen Ort, an dem das Gefangenenlager 1915 errichtet wurde, entsteht 2015 ein Erstaufnahmelager für Flüchtlinge. Dr. Thomas Kersting , Landeskonservator in Wünsdorf bekennt: „Die Vorstellung, das vor 100 Jahren Muslime aufgerufen wurden, den heiligen Krieg zuhause zu entfachen und heute, 100 Jahre später, kommen Leute, die vor dem Dschihad fliehen, zu uns nach Deutschland und sitzen auf derselben Fläche… das hat man als Archäologe normalerweise nicht…da schließt sich ein weltgeschichtlicher Zirkel“.

 

Foto: pixabay / CC0

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