Ehrung mit der Abraham-Geiger-Plakette

Am 3. Dezember 2018 wurde Klara Geywitz mit der Abraham-Geiger-Plakette geehrt. Rabbiner Prof. Walter Homolka hielt die Laudatio:

„Wird das jetzt eine Würdigung, oder gleich eine Liebeserklärung? Tatsache ist: wer Klara Geywitz kennt, der hat eine ‚bench mark‘ für politische Redlichkeit, Verlässlichkeit, geradliniges Handeln und persönliche Bescheidenheit.

Dieser Bescheidenheit ist es zuzurechnen, dass wir auf das fünfjährige Gründungsjubiläum des Instituts für Jüdische Theologie warten mussten, um ihr endlich mit der Abraham-Geiger-Plakette Dank sagen zu können: für langjährige Begleitung bei der Entwicklung der Rabbinerausbildung in Brandenburg.

Gefühlte zehn Jahre hat sie sich geschickt der Aufmerksamkeit entziehen können, die mit einer solchen Ehrung verbunden sind. So können sich heute einige der vor Klara Geywitz Gewürdigten zu Recht fragen: warum erst jetzt?

Es ist eben nicht einfach, Klara Geywitz ins Rampenlicht zu rücken. Lieber arbeitet sie unbemerkt und ohne mediale Begleitmusik an den Themen. Aber hochaufmerksam und sensibel für plötzliche Temperaturumschwünge und Veränderungen. Da bekommt man schon mal direkt aus der Parlamentssitzung eine Nachricht, die auf eine Problemstellung hinweist oder ein sich öffnendes Fenster aufzeigt.

Dann ist man gut beraten, alles Stehen und Liegen zu lassen und ans Werk zu gehen. Denn Klara Geywitz arbeitet nach dem Prinzip: ‚Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser‘. So werden die Wasserstände des Fortschritts regelmäßig abgefragt und Zwischenerfolge wohlwollend vermerkt. Man möchte gar nicht ausprobieren, wie sie es vermerken würde, wenn solche Fortschritte mal ausbleiben würden. Glücklicherweise war das im Fall der Entwicklung des Abraham Geiger Kollegs und der Errichtung des Instituts für Jüdische Theologie nicht der Fall.

Und Klara Geywitz war von Anfang an dabei, seit der Ordination der ersten Rabbiner in Deutschland seit der Schoa 2006.

Sie stand an der Wiege des Einstiegs Brandenburgs in unsere Förderung und gab handfeste Hilfestellung für die Aufnahme des Abraham Geiger Kollegs in den exklusiven Kreis der Einrichtungen, die durch die Kultusministerkonferenz mitfinanziert werden. Seit 2007 bohren wir gemeinsam am Brett der Ansiedlung des Abraham Geiger Kollegs in der Nähe des Campus Neues Palais. Und siehe da, kaum 12 Jahre später wird es in wohl 12 Monaten Wirklichkeit: Orangerie und Nordtorgebäude werden Heimat für das Institut für Jüdische Theologie, das Abraham Geiger Kolleg und das Zacharias Frankel College werden.

Weniger lange hat ein anderes Projekt aus dem Jahr 2007 gedauert: die Kantorenausbildung konnte schon 2008 eröffnet werden. Ganz im Sinne dessen, was man von Klara Geywitz bei solchen Gelegenheiten schon mal in der Presse lesen kann: ‚Ich erwarte eine kurzfristige Klärung!‘

2010 trat sie dann in den Stiftungsrat der Leo Baeck Foundation ein und gehört seitdem zu den aktivsten, gestaltenden Stiftungsräten. Und das war auch gut so. Denn in dem Jahr veröffentlichte der Wissenschaftsrat seine Empfehlungen für die Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften: es war der intellektuelle Überbau für die Pluralisierung der Universitätstheologie in Deutschland. Neben den christlichen Theologien sollte auch Islamische Theologie dazu stoßen. Und ich fand: ohne Jüdische Theologie ist der Reigen nicht komplett.

Am 10. Januar kam das Papier, dank Klara Geywitz saß ich bereits am 9. Januar im Büro des damaligen Wissenschaftsstaatssekretärs Martin Gorholt, um ihn für das Ziel der Errichtung Jüdischer Theologie an der Universität Potsdam zu gewinnen. Man hört Klara Geywitz buchstäblich: ‚Ich erwarte eine kurzfristige Klärung:‘

Es hat dann doch drei Jahre gedauert, bis alle Hürden genommen worden waren, nicht zuletzt die Änderung des Brandenburgischen Hochschulgesetzes und eine Menge staatskirchenrechtlicher Erwägungen, die z.B. in der Kinderstube von Klara zuhause stattfanden: eine Auge bei den Kindern, das andere fest auf das Ziel gerichtet: Jüdische Theologie an einer staatlichen Universität.

Viele haben daran mitgewirkt. Allen voran unsere Wissenschaftsministerin Martina Münch, aber auch Martina Köppen und Martin Vogel, die Vertreter der Kirchen beim Land Brandenburg.

Und die Universität Potsdam hat unter der Präsidentschaft und persönlichen Anteilnahme von Oliver Günther einen sorgfältigen Prozess der Gründung des Instituts für Jüdische Theologie durchlaufen.

Seit geraumer Zeit hat Klara Geywitz die Aufgabe übernommen, die Beziehungen Deutschlands und Brandenburgs mit der Republik Polen zu stärken und zu entwickeln.

Da erstaunt es Sie sicher nicht, dass sich dies auch in unseren Aktivitäten abbildet. Das Abraham Geiger Kolleg hat eine besondere Beziehung zur Jüdischen Gemeinde von Warschau und entsendet regelmäßig Rabbinerpraktikanten und Kantorinnen und Kantoren dahin, um das praktische jüdische Leben dort zu bereichern.

Akademisch hat sich ein festes Band entwickelt zum Institut für Judaistik an der Jagiellonen Universität in Krakau. Vielen Dank, Frau Dr. Edyta Gawron, dass Sie mit Ihrer persönlichen Anwesenheit dies unterstreichen.

Neben dem regen Studierenden- und Lehrendenaustausch veranstalteten die School of Jewish Theologie und das Institut für Judaistik an der Jagiellonen Universität in Kooperation mit den Potsdamer Instituten für Slavistik sowie für Jüdische Studien und Religionswissenschaft bereits drei Tagungen für Nachwuchswissenschaftler*innen aus beiden Ländern (2016, 2017, 2018).

Die letzte Tagung wurde zu einem großen Teil aus Mitteln der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit finanziert, wofür wir auch Cornelius Ochmann sehr dankbar sind. Vielen Dank, dass Sie heute abend Klara Geywitz und uns die Ehre geben!

In den nächsten Tagen soll ein gesondertes Academic Co-Operation Agreement zwischen der Philosophischen Fakultät der Universität Potsdam und der Historischen Fakultät der Jagiellonen Universität unterzeichnet werden, das einer weiteren Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den beiden Institute dienen soll.

Heute abend begrüßen kann ich auch Prof. Dr. Andrzej Pryba und Frau Malgorzta Heigelmann vonder Katholisch-Theologischen Fakultät an der Adam-Mickiewicz-Universität in Poznan. Im Januar 2018 reisten Theologieprofessoren der Kath-Theol. Fakultät für einen mehrtägigen Besuch der Jüdischen Theologie nach Potsdam, um eine weitgehende Kooperation zu vereinbaren. Im Rahmen dieser Vereinbarung erscheint in Kürze eine polnische Übersetzung meines Jesusbuches.

Darüber hinaus findet im Wintersemester 2018/19 ein gemeinsames Seminar für Studierende beider theologischen Institute statt.

Aber auch mit der Jüdischen Gemeinde Wroclaw, dem einstigen Wirkungsort Abraham Geigers, und dem Institut für Judaistik an der Universität Wrocławski in Breslau verbindet uns viel. Wir denken gerne an die Ordination von Rabbinern in der Storchensynagoge von Wroclaw 2014 in Anwesenheit von Frank-Walter Steinmeier zurück. Das erinnerte nicht zuletzt an das Breslauer Jüdisch-Theologische Seminar, in dessen Tradition die Jüdische Theologie in Potsdam stehen möchte. Neben dem Studierenden- und Lehrendenaustausch, organisierte die Jüdische Theologie mit dem Institut für Judaistik in Breslau einen Workshop für Studierende und Lehrende beider Institute, der das Jüdisch-Theologische Seminar in Breslau und seine Wirkungsgeschichte zum Thema hatte.

So hast Du uns, liebe Klara, seit vielen Jahren Deine wirksame Unterstützung gegeben, bist mit Herz und Hand bei uns gestanden und hast uns auch thematisch bereichert mit Deinem Blick über die Grenzen zu unserem Nachbarn Polen. Daraus haben wir programmatisch viel machen können. Du hast uns dazu inspiriert.

So soll es auch in Zukunft bleiben. Als Wegmarke am Ende einiger langer Etappen, kurz vor dem Umzug des Abraham Geiger Kollegs von Berlin nach Brandenburg in das Nordtorgebäude, ehren wir Dich heute – endlich – mit der Abraham Geiger Plakette. Es ist Ausdruck unseres innigen Verhältnisses und unserer Dankbarkeit.

Bitte komme zu mir, damit ich die Ehrung formell vornehmen kann.“

 

Bildnachweis: Tobias Barniske

 

 

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