Brandenburg braucht Freie Radios und Bürgerjournalisten für guten Lokaljournalismus !

Schalten Sie montags mal den Radio-Empfänger ein, bei FrRaPo.de oder kommen zu seinem Studio der offenen Tür im Freiland-Café, denn dieses Freie Radio sendet immer montags auf UKW 90,7 in Potsdam und 88,4 in Berlin, im solidarischen Programm-Verbund mit den Freien Radios Berlin: mit Studio Ansage, CoLaBo-Radio, PiRadio und Bürgerradios überall in der Region. Ein Mitmach-Radio Programm ist so gut wie seine Macher*Innen. Davon braucht es richtig viele ehrenamtlich engagierte Sendemacher*Innen um eigenes Progamm auf die Beine zu stellen: pro Sendestunde 1-2 Moderator*Innen für das jeweilige Thema, 1 an der Technik, 1 im Dienst für Radio Organisation, das summiert sich auf fast 100 Radiomacher für 1 Sendetag. Die sind nicht nur am Mikrofon, sie basteln ihr Studio inklusiv aus ausgemusterter Mischpult-Technik der Rundfunkgebühren Sender, sie bauen Server auf und progammieren freie Sender Software mit Open Source, oder sie schulen alle Beteiligten damit flotte Sendungen zu produzieren. Sein Interesse anmelden kann man bei frrapo@freiland-potsdam.deoder montags an die Tür klopfen um zu sagen wo man mitmischen möchte, u.a. Musik, Sport, Kinderradio oder Technik, Selbstverwaltung. Erfolgreiche Community Radios wie z.B. Radio Corax in Halle aktivieren 300 Freiwillige im 24/7 Progamm mit Dreischicht-Betrieb und als Ausbildungsradio, mit einem Dutzend Profis von der IT über die Nachrichten-Redaktion, Ausbildung bis zur Geschäftsführung. Im Vergleich zu Sachsen-Anhalt ist Brandenburg zwar Entwicklungsland für Community Media, aber jüngst bekam die Refugee Radio Redaktion Potsdam den Integrationspreis 2018 des Landes Brandenburg verliehen für ihre interkulturelle Informationsarbeit, glokal interaktiv, im Netzwerk der Migrantenorganisationen Brandenburgs.

Unsere Region lebt, radiofon: In Frankfurt/Oder und Slubice sendet das deutsch-polnische Radio SlubFurt als Freies Bürgeradio lokal grenzüberscheitend für europäische Verständigung. Das von Künstlern begründete Radio Woltersdorf an der Schleuse bei Erkner sendet mit einem Fokus auf Regionalkultur und Klangkunst. Um die Ecke in Grünheide entwickelt sich neu ein Senioren Bürgerradio, in der Fontane-Stadt Neuruppin kommen aus dem ganzen Norden von Brandenburg junge Musiker zusammen im JFZ um ihre preisgekrönte Musik gegen Rassismus in einem neu zu gründenden Studio zu Gehör zu bringen. Durch den Spreewald geistert die Idee eines Sorbenradios. In Königs Wusterhausen beschäftigt sich eine Bürgerinititative kritisch mit ihrer lokalen Radio-Geschichte als Propaganda-Instrument. Radio Pax in der Stadt Brandenburg richtet seinen Blick mit Maskottchen Nora Schlecht lokalpolitisch auf die übersehene Vielfalt im Alltag der Stadt an der Havel die unserem Land seinen Namen gibt, fordert uns auf „Brandenburg“ neu zu entdecken.

Viele Märker möchten ihre Stimmen erheben, informieren, unterhalten und gehört werden. Neue Initiativen spriessen überall dort in unserer Region, wo Menschen vor Ort unzufrieden sind mit zu allzu dürrer Berichterstattung klassischer und kommerzieller Medien. Manch einer kennt vielleicht Blogger im Internet oder schaut neidisch auf offene Kanal Infrastrukturen in der Metropole. Klüger ist jedoch man sucht sich Gleichgesinnte, nutzt sein Bürgerrecht als Brandenburger und entwickelt sein lokales Dampfradio als „Veranstaltungsradio“ zum Mitmachen, qualifiziert sich so für NKL.

Wie das klappen kann lehrt man anderswo in der Welt schon lange, z.B. mit dem Community Radio Toolkit als Online Handbuch vom UNESCO Prof. Dr. Vinod Pavarala University of Hyderabad, der als Werkzeugkasten für Bürgerjournalisten weltweit auf allen Kontinenten erfolgreich genutzt wird wo Kommunen zur Selbsthilfe greifen. Community Media sind die dritte Säule UNESCO seit deren Gründung, es geht weltweit um lokale Kulturvielfalt und Beteiligung mit demokratischen Medien. Zugleich liefert es ein Orientierungsmodell für mediale und demokratische Beteiligung vor Ort, für eine junge, zukunftsfähige und offene Gesellschaft jenseits von Fakenews, hier in Brandenburg.

„Bürgerjournalismus erscheint heute wie selbstverständlich in Brandenburg, ist es aber nicht (www.medienstaatsvertrag.org)  Nach wie vor fordern mediendemokratisch Engagierte dafür legale Anerkennung und Hilfe. Bislang fehlte für Freie Radios ein unterstützender Paragraph 8 (Absatz 11 + 12) im gemeinsamen länderübergreifenden Medienstaatsvertrag von Berlin und Brandenburg um bürgerschaftlich organisierten partizipativen NichtKommerziellen Lokalfunk in unserer Region zu ermöglichen, wie es der Potsdamer Landtag Ende 2016 parteiübergreifend empfahl, als eine regionale Schule der Medienkompetenz und Demokratie von Brandenburgern für Brandenburg.

Wir wollen uns jetzt dafür einsetzen, dass Bürgermedien überall unterstützt und gefördert werden.

Text: Erich Maria Benesch

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