Besserer Bahnverkehr für Brandenburg

Brandenburg ist ein Pendlerland. Auch viele Potsdamerinnen und Potsdamer machen sich jeden Tag auf den Weg zur Arbeit nach Berlin oder ins Umland. Die Bahn ist dabei, trotz aller Probleme, die schnellste und klimafreundlichste Verbindung in die Metropole. Gemeckert wird trotzdem: Über fehlende Wagen, direkte Anschlüsse und Umsteigemöglichkeiten. Verbesserungen im Bahnverkehr passieren jedoch nicht von heute auf morgen. Die Planungszeit ist enorm, das sollte jedoch kein Grund sein, nicht sofort damit anzufangen. Gemeinsam mit dem Bahnexperten Hans Leister habe ich fünf Maßnahmen für besseren Bahnverkehr aufgelistet, die nun wichtig sind und für die ich mich einsetze. 

Nicht nur für Potsdam ist der Verkehr ein besonders drängendes Problem, sondern im ganzen Land Brandenburg. Lösungen erfordern den Blick auf das Große und Ganze. Große Teile des Landes Brandenburg sind über die Verkehrswege in und durch Potsdam mit Berlin verbunden sind. Die Lösung der Probleme ist daher nicht nur in Potsdam zu finden. Die Weichen dafür werden jetzt gestellt: Der „Deutschland-Takt“ wird die Basis für den deutschland-weiten Ausbau des Schienenverkehrs sein; Brandenburg muss jetzt alle wichtigen Projekte dafür anmelden.

Mit mehr Zügen und dichteren Takten auf der Linie RE1 ab Dezember 2022 hat die Landesregierung bereits richtige Zeichen gesetzt. Die zusätzlichen Plätze in den Zügen von Potsdam nach Berlin und mehr Zugfahrten zwischen Brandenburg an der Havel und Potsdam sind wichtig für ganz Brandenburg, um mittelfristig Entlastung zu schaffen. Aus Potsdamer Sicht müssen aber auch noch andere Vorhaben große Priorität für die nächste Landesregierung finden:

Wiederaufbau der Potsdamer Stammbahn

Neben der überlasteten Regionalverkehrsverbindung von Potsdam zur Berliner Stadtbahn (RE1) braucht Potsdam und der gesamte Westen des Landes Brandenburg einen zweiten Schienen-Zugang nach Berlin für den Regionalverkehr. Ideale Lösung dafür ist der Wiederaufbau der Potsdamer Stammbahn als schnelle und direkte Verbindung Potsdam – Kleinmachnow – Zehlendorf – Berlin Potsdamer Platz, damit mehr Regionalverkehrslinien aus Westen über Potsdam nach Berlin geführt werden können. Auf dieses Ziel sollen sich die Planungen der Länder und der DB im Rahmen der Infrastrukturausbau-Konzeption „i2030“ konzentrieren.    

Direktverbindung nach Spandau

Vor der Potsdamer Innenstadt stauen sich die Autos aus Norden. Die heutigen und künftigen Bewohner des Potsdamer Nordens und der Wissenschaftsstandort Golm brauchen daher auch eine attraktive Verbindung nach Spandau, um Potsdams Innenstadt zu entlasten. Die weitere Verbesserung der Verbindungen von den Bahnhöfen Golm und Marquardt direkt nach Berlin sowie langfristig die Verlängerung der Straßenbahn sogar bis zum Bahnhof Marquardt sind perspektivisch denkbare Lösungen, die jetzt ernsthaft geprüft werden müssen.

An der Pförtner-Ampel vorbei zum P+R-Platz am Bahnhof Pirschheide

Am Bahnhof Pirschheide muss ein groß dimensionierter Parkplatz für Nutzer des öffentlichen Verkehrs angelegt werden. Die Pförtner-Ampel soll dann so platziert werden, dass der P+R-Parkplatz ungehindert angefahren werden kann und der Umstieg auf die Straßenbahn attraktiv wird. Dieser Parkplatz ist künftig auch für Potsdamer wichtig, die mit dem Regionalverkehr schnell und einfach zum künftigen Flughafen fahren wollen.

Unterführung für Radfahrer und Fußgänger am Bahnübergang Medienstadt Babelsberg

Der Bahnhof Medienstadt Babelsberg wird ab Dezember 2022 ein verdichtetes Angebot von RegionalExpress-Zügen erhalten und damit für Potsdamer Pendler attraktiver werden. Derzeit hat der Bahnhof keine Bahnsteigunterführung, der Bahnsteigzugang erfolgt über die Schranke. Bei dichterem Zugverkehr ist es schwer berechenbar, wie früh man zum Bahnhof gehen muss, um noch vor einem eventuell in Gegenrichtung fahrenden Zug die Schranke zu passieren und den Zug zu erwischen. Abhilfe soll eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer schaffen.

Potsdam braucht wieder Fernverkehrszüge   

Der „Deutschland-Takt“ soll nach den Erklärungen des Bundesverkehrsministers bisher „abgehängte“ Großstädte spätestens 2030 wieder im Takt an das Fernverkehrsnetz bringen. Die Landesregierung muss sich massiv dafür einsetzen, dass dieses Versprechen auch im Fall von Potsdam umgesetzt wird, und zwar mit echten Fernverkehrsverbindungen nach Süd- und West-Deutschland und nicht nur mit einem Alibi-Zug Berlin-Magdeburg, wie jetzt geplant.

Foto: Klara Geywitz und Hans Leister am Bahnhof Medienstadt Babelsberg

Scroll to Top