Klara Geywitz
Stark für Brandenburg.

Innenstadt

Eigentlich muss man sich nur auf die Brandenburger Straße stellen und warten, irgendwann komme ich da im Laufe des Tages immer vorbei. Ich wohne in der Gutenbergstraße, meine Kinder gehen in der Innenstadt zur Grundschule und der Landtag ist mein Arbeitsplatz. Unglaublich, wie sich dieser Teil Potsdams seit der Wende geändert hat. Als Schulkind stand ich immer unter dem riesigen Dach des Busbahnhofes am Bassinplatz. Und ich gruselte mich damals vor dem Holländischen Viertel, weil seine Gebäude den Eindruck machten, als würden sie jederzeit einstürzen können. Die Wende war für die historische Bausubstanz der Innenstadt eine Rettung in letzter Sekunde. Seit 1990 wird leidenschaftlich gestritten, wie es mit der Stadtentwicklung weiter geht. Was wird abgerissen, was wird wieder aufgebaut? 

Potsdams Schönheit rechtfertigt die leidenschaftliche Debatte. Ich muss mich morgens manchmal fast kneifen, wenn ich jetzt über den Alten Markt gehe. Er ist wieder traumhaft. Das Palais Barberini ist ein Geschenk für die Stadt und in der Humboldtstraße essen die Touristen fröhlich ihre Burger. Nichts erinnert mehr an den zugigen, kahlen Platz von früher. 

Aber natürlich geht es bei der Debatte um Architektur nicht nur um schön oder hässlich. Architektur in Potsdam war und ist immer Politik gewesen. Die Könige bauten hier ihre Schlösser als Demonstration von Macht und Reichtum. Die Garnisonkirche und der Tag für Potsdam symbolisieren die Nähe von Preußentum, Militär und Nationalsozialismus.

Am 14. April 1945 wurden weite Teile der historischen Altstadt von alliierten Bombern zerstört. 

Zu DDR-Zeiten wollte man den Geist von Preußen endgültig vertreiben. Die Ruine des Stadtschlosses wurde ebenso gesprengt wie die Garnisonkirche. Gebaut wurde natürlich auch. Gegen die Wohnungsnot wurden in Potsdam neue Stadtteile entwickelt, aber auch in der Innenstadt entstanden die begehrten Wohnungen in der Breiten Straße, ergänzt um das architektonische Kleinod die Seerose. 

Keine Rücksicht wurde genommen auf die einstmals weltberühmte Stadtkomposition der historischen Innenstadt. Im Lustgarten entstand das Ernst-Thälmann-Stadion, der Stadtkanal verwandelte sich in Parkplätze, auf den Alten Markt wurde versucht, ein Theaterneubau zu errichten. Auch hier kam die Wende gerade zur rechten Zeit. Das riesige Gebäude hätte ein für alle mal die Wiedererlangung der historischen Mitte verhindert. Die erste frei gewählte Stadtverordnetenversammlung in Potsdam stoppte daher den Neubau und der Betonklotz wurde abgerissen. 

Potsdams alte Schönheit kehrt langsam zurück. Nach einem Bevölkerungsrückgang nach der Wende boomt auch der Zuzug. Die Stadtplaner von heute müssen daher dafür sorgen, dass die Innenstadt nicht nur weiter an Attraktivität gewinnt, sondern dass hier auch immer noch preiswert gewohnt und gearbeitet werden kann. Denn das historische Potsdam war auch keine Touristenkulisse sondern immer ein Ort zum leben und arbeiten. 

Einen guten Einblick über die historischen Stadtbilder bietet das schöne Buch „Potsdamer Veduten“ von Hans-Joachim Giersberg und Adelheid Schendel.