Klara Geywitz
Stark für Brandenburg.

Toleranz

Mit dem in Französisch verfassten  „Edikt von Potsdam“ aus dem Jahr 1685 lockte der Große Kurfürst, Friedrich Wilhelm von Brandenburg, die wegen ihrer Religion verfolgten Hugenotten nach Preußen. Das Dokument wurde in 2.000 Exemplaren an die Gesandten von Paris und an den Fluchtwegen in Hamburg, Regensburg, Den Haag und Frankfurt am Main verteilt. Friedrich bot den Franzosen eine neue Heimat in Stendal, Werben, Rathenow, Brandenburg und Frankfurt a. d. Oder. Potsdam hatte zu diesem Zeitpunkt gerade zu wenig Wohnraum zur Verfügung, konnte also nur einige der etwa 20.000 Flüchtlinge aufnehmen.  Auch eine deutsche Fassung des Edikts wurde verteilt, um die Brandenburger zu informieren, was sie mit den Einwanderern erwartet.

Das sogenannte „Potsdamer Toleranzedikt“ war der Auftakt zu einer aktiven Einwanderungspolitik der preußischen Machthaber, von dem dann auch Potsdam profitierte. Neben den französischen Hugenotten wurden niederländische Handwerker, böhmische Weber und Schweizer Landwirte in das Land eingeladen. Sie erhielten Privilegien wie Landerwerb, Erbrecht, Dienstbefreiung, Bezahlung des Predigers und einiges mehr, mussten dafür aber den kargen und teilweise sumpfigen Boden bearbeiten, um zu überleben. Die neuen Brandenburger integrierten sich mit den üblichen Begleiterscheinungen: Es gab Widerstände, Neid, Übergriffe und Konkurrenzdenken auf allen Seiten. Übriggeblieben in Potsdam ist vor allen die Architektur, vom Holländischen Viertel bis zur Französischen Kirche, der Rest ist Geschichte.

2008 entstand die Idee, das Potsdamer Toleranzedikt neu aufleben zu lassen. Daraus wurde ein Verein, („Neues Potsdamer Toleranzedikt – Gemeinsam für eine weltoffene Stadt e.V.“)  der sich für die Weiterführung des Toleranzediktes, Weltoffenheit und ein friedliches Miteinander aber auch gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Intoleranz engagiert. 

In der Tradition des Potsdamer Toleranzediktes, sehr pragmatisch, sehr bunt und sehr engagiert ist auch das Bündnis („Potsdam! Bekennt Farbe“), ins Leben gerufen und koordiniert von der Potsdamer Stadtverwaltung. Das Bündnis positioniert sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit und organisiert seit vielen Jahren das Potsdamer Fest für Toleranz. Als der Pegida-Ableger Pogida in der Landeshauptstadt seine Asyl- und Islamfeindlichen Demonstrationen durchführte, stellte sich das Bürgerliche Bündnis friedlich und mit zahlreichen Mitgliedern dagegen.

Bereits seit 1998 existiert auch ein landesweites Bündnis („Tolerantes Brandenburg“) mit einem Handlungskonzept für die Auseinandersetzung mit Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Im Jahr 2005 wurde dieses Konzept erweitert und stärker auf die Förderung einer starken Demokratie ausgerichtet, in der sich Bürgerinnen und Bürger aktiv an der Gestaltung beteiligen.

Ich bin im Übrigen sehr stolz in einer solch lebendigen Zivilgesellschaft zu leben.