Klara Geywitz
Stark für Brandenburg.

Kultur in Potsdam

Das Hans-Otto-Theater an der Schiffbauergasse

Im Jahr 2010 hat sich Potsdam als Kulturhauptstadt Europas beworben und wurde leider nicht ausgewählt. Unverständlich für die Potsdamer, denn Potsdam ist Kultur pur, selbst wenn wir die Schlösser hier einmal abziehen. Potsdam erhält als Landeshauptstadt von der Brandenburger Landesregierung eine finanzielle Förderung für die Kulturszene. Die großen Institutionen wie das Hans-Otto-Theater, der Nikolaisaal mit den Musikfestspielen und die freie Szene (z.b. die Tanzfabrik oder das soziokulturelle Waschhaus) erhalten etwa die Hälfte ihres Budget aus Landesmitteln. Dazu vergibt das Kulturministerium jedes Jahr Förderungen einzelner Projekte und Festivals. Ohne die Landesförderung wäre diese vielfältige Kunst- und Kulturszene in Potsdam daher nicht möglich.

Musik und Tanz

Im Chor singen ist der beliebteste kulturelle Breitensport der Potsdamer. Bereits 1814 wurde der „Gesangsverein für klassische Musik“ gegründet aus dem die Singakademie Potsdam e. V.  und der Oratorienchor Potsdam e. V. entstanden. Beide Vereine arbeiten mit verschiedenen Orchestern und führen traditionelle wie auch zeitgenössische sinfonische Werke von Johann Sebastian Bach bis Guiseppe Verdi auf. Die Singakademie widmet sich zusätzlich dem A-Capella-Gesang und hat einen großen Kinder- und Jugendchorbereich. Klassisch geht es ebenfalls beim dritten großen Chor in Potsdam zu: die Potsdamer Kantorei residiert in der Erlöserkirche in Potsdam West. Musik an der Nikolaikirche ist ebenfalls ein wichtiges Element im kirchenmusikalischen Leben Potsdams. In der beeindruckenden Kirche am alten Markt üben die Mitglieder des Nikolaichores und des Bläserchores. Auch in den anderen Kirchen, Schulen und Kulturhäusern wird mit großer Freude getönt. Es findet sich ein Chor für jede Ton- und Lebenslage. Der Chor International Potsdam hat sich z.B. auf Lieder aus aller Welt in verschiedenen Sprachen spezialisiert, der Generationenchor bringt Senioren und Studierende zusammen und probt deutschsprachige Pop- und Rocksongs sowie Volkslieder.

Wenn die Potsdamer nicht selbst singen, gehen sie in den Nikolaisaal, um der Kammerakademie Potsdam, dem Deutschen Filmorchester Babelsberg oder einem anderen Orchester-Hörgenuss zu lauschen. Jazz, Volksmusik, Blues oder Rock sind selbstverständlich in Potsdams größtem Konzert- und Veranstaltungshaus auch im Programm zu finden.

Wer sich zur Musik mehr bewegen will, hat ebenfalls eine große Auswahl in Potsdam: Die jüngeren treffen sich im Waschhaus, im Lindenpark, im Archiv und im Spartacus.  Für die älteren Wilden gibt es seit kurzem den Live Club im alten Bahnhof Pirschheide. Bewegen und bewegt werden ist die Spezialität der fabrik Potsdam. Das internationale Zentrum für Tanz und Bewegungskunst ist in der Schiffbauergasse zuhause. Das Tanzhaus präsentiert auf der Bühne Produktionen von internationalen Tanzkompanien und im Studiohaus finden Kurse und Workshops statt. Die Tanz- und Bewegungskurse der Fabrik sind vielfältig: Von Hatha Yoga bis Swingtanz und für alle Altersstufen.

Festivals

Die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci sind für die Liebhaber klassischer alter Musik der Höhepunkt im musikalischen Jahr. Die Festspiele verwandeln die preußischen Schlösser und Gärten Potsdams mit zahlreichen Konzerten und Opernaufführungen in eine große Festivalbühne. Traditionell wird das Festival mit einem Open-Air-Konzert vor den Terrassen von Schloss Sanssouci eröffnet. Preisgekrönt und inzwischen fester Bestandteil des Festivals ist das Fahrradkonzert. Einmal im Jahr Sonntags fahren dann Hunderte große und auch viele kleine Besucher mit dem Fahrrad quer durch die Stadt von einem Musikereignis zum nächsten.

Die Potsdamer Tanztage der Fabrik Potsdam sind seit 1991 ein jährlich wiederkehrendes internationales Tanzfestival und das wichtigste Festival für Darstellende Kunst im Land Brandenburg. Tanzkompanien aus der ganzen Welt bieten ein hochkarätiges Spektrum verschiedener Tanztheaterformen an. Die Fabrik wird zur Bühne der internationalen Tanzszene und die Potsdamer feiern begeistert mit.

UNIDRAM ist ein fünftägiges internationales Theaterfestival in der Schiffbauergasse. Veranstalter ist der Theaterverein T-Werk.  Es ist eine Plattform für zeitgenössisches visuelles Theater freier Theatermacher und ist genreübergreifend konzipiert. Die Inszenierungen bewegen sich zwischen Schauspiel, Figurentheater, Tanz, Musik, Bildender Kunst und Performance. Sehenswert.

Theater

Das Flaggschiff der Potsdamer Theaterszene ist das Hans-Otto-Theater, am Standort Schiffbauergasse. Das HOT residiert seit 2006 im Theaterneubau am Tiefen See mit seinem markanten roten Blütendach. Das Dach bleicht aus und das ist vom Architekten so gewollt, auch wenn mancher Zuschauer denkt, dies sei der Sparsamkeit der Stadtverwaltung zu verdanken, die nicht einmal einen Eimer Farbe für die Kultur übrig haben. Drinnen im Gebäude geht es etwas bunter zu. Das Ensemble spielt Stücke, Texte und Projekte von Gegenwart bis Klassik, Drama bis Volkstheater, Musical bis Dokumentarspiel.

Rund um das HOT kreisen die kleinen  und feinen freien Ensembles und Theaterstätten. Im früheren Pferdestall in der Schiffbauergasse findet sich das T-WERK mit einer kleinen Bühne. Neben eigenen Inszenierungen stehen auch Masken- und Figurentheater für große und kleine Zuschauer auf dem Spielplan.  Das T-WERK bespielt auch den weitläufigen Innenhof der einstigen Pferdeställe, den Schirrhof, z. B. bei der Langen Nacht der Theater. Zu Gast im T-Werk ist auch gelegentlich das Poetenpack, ein Ensemble aus freischaffenden Künstlern, die mit eigenen Inszenierungen durch ganz Deutschland touren. Heimathafen der bunten Truppe ist aber der Q-Hof in Potsdam-West, ein ehemaliger Bauernhof am Rande des Park Sanssouci.  Auch klein und gar nicht unbedeutend sind die Kinder- und Jugendtheaterkurse des offenen Kunstvereins OKEV. Das Theaterschiff ist eine schwimmende Kleinkunstbühne die ebenfalls im Tiefen See in der Schiffbauergasse ankert. Der umgebaute Lastkahn aus dem Jahr 1927 hat Platz für über 200 Gäste in seinem Schiffsbauch. Bekannt ist das eingetragene Industriedenkmal des Landes Brandenburg auch für die nächtlichen Partys mit dem Potsdamer Dj Rengo.

Bildende Kunst

Potsdams Künstler haben seit zwei Jahren einen kreativen Mittelpunkt im Zentrum der Stadt: Das Rechenzentrum ist ein ehemaliges Verwaltungsgebäude des Landes Brandenburg und nun ein Kreativhaus mit mehr als 200 Räumen. Die Stadt stellt diese günstig zur Verfügung und etwa 250 kreative Menschen entwerfen hier Kunst in allen Formen. Es gibt bildende Künstler, Maler, Schriftsteller, Fotografen, Modedesigner,  Hobbyhandwerker, Geigenbauer, Regisseure und kreative Arbeiter, für die noch keine Berufsbezeichnung gefunden wurde. Gemeinsam gestalten sie auch Ausstellungen, Feste und Produktionen für die Bühne des Rechenzentrums.

Wie viele Ateliers bzw. Atelierräume es in Potsdam insgesamt gibt, ist ein kleines Geheimnis, denn nicht jeder Künstler möchte – zumindest bei der Produktion der Werke– in der Öffentlichkeit stehen. Die Stadt unterstützt neben dem Rechenzentrum das neue Atelierhaus Panzerhalle in Groß Glienicke und die Atelierräume in Haus 1 des freilandes.

Ausstellungsmöglichkeiten gibt es in der Landeshauptstadt in den Atelierhäusern und, je nach Bekanntheitsgrad der Kunstschaffenden, in einem der Kunsthäuser der Stadt.  In der Schiffbauergasse ist der Kunstraum Potsdam, der junge zeitgenössische Kunst internationaler Orientierung präsentiert. Der Kunstraum gehört organisatorisch zum soziokulturellen Waschhaus und wird von der Stadt Potsdam finanziert. Das Museumshaus im Güldenen Arm zeigt überwiegend Werke regionaler Künstler, während die private Villa Schöningen Ausstellungen mit renommierten und international bekannten Stars von Joseph Beuys bis Anselm Kiefer präsentiert. Auch die beiden Potsdamer Kunstvereine zeigen wechselnde Ausstellungen in ihren Räumen. Der Brandenburgische Kunstverein Potsdam e.V. bespielt den gläsernen Ausstellungspavillon auf der Freundschaftsinsel mit herausragender Gegenwartskunst. Der Verein KunstHaus Potsdam e.V. hat seinen Sitz im ehemaligen Pferdelazarett der Garde-Ulanen-Kaserne am Eingang des Bornstedter Feldes. Das Haus zeigt ausschließlich zeitgenössische Kunst. Ganz klassische Galerien sind in Potsdam ebenfalls vertreten. Hier ist eine kleine Auswahl: Bei Frederike Sehmsdorf in der Galerie Kunst-Kontor wird zeitlose und gegenständlich-figurative Kunst verkauft. Werner Ruhnke zeigt in der Galerie Ruhnke zeitgenössische abstrakte Kunst. Viermal im Jahr überlässt er seine Räume dem BVBK, dem Verband der Brandenburgischen bildenden Künstler, für die Ausstellung der Mitglieder. Und wer auf Bilder von und mit Prominenten steht, ist bei den beiden Galerien von Albert Baake genau richtig. Auch eine gute Mischung aus Galerie und Cafe ist der Bildhaus-Laden der Fotografin Karoline Wolf in Babelsberg. Neben tollen Fotografien gibt es leckeren Kuchen.

Bei einem Spaziergang durch die Stadt entdeckt man fast an jeder (Straßen-)Ecke Kunst im öffentlichen Raum. Vom Obelisken aus den Zeiten Friedrich des Großen über DDR-Kunst an Wohnhäusern bis zur modernen Skulptur am Ufer des Tiefen Sees ist jede Epoche vertreten. Mit dem Walk of Modern Art Potsdam setzt die Landeshauptstadt diese Tradition fort. Ein Skulpturenpfad mit 14 Standorten führt an der Havel entlang über öffentliche Wege und Straßen. Der Pfad verbindet den Kulturstandort Schiffbauergasse mit dem Potsdam Museum am alten Markt.