Klara Geywitz
Stark für Brandenburg.

Gedenken

Gedenkstätte Lindenstraße

In der Stadtmitte, in einer Seitenstraße der belebten Potsdamer Einkaufsmeile, liegt die Gedenkstätte Lindenstraße. Das barocke Stadtpalais diente seit Mitte des 19. Jahrhunderts als Gerichtshof und Gefängnis. In der Zeit des Nationalsozialismus war im Gebäude ein "Erbgesundheitsgericht" eingerichtet. Das Gericht entschied über die Zwangssterilisation von Menschen, die unter das rassistische „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ fielen. 1939 wurde es zum Untersuchungsgefängnis für politische Häftlinge. Nach dem Krieg nutzen der russische Geheimdienst und später die Stasi den Ort in gleicher Funktion. Mit der Wende wurde es zum Haus der Demokratie und erst 2007 zur Gedenkstätte umgewandelt. Hinter der barocken Fassade sind noch die originalen Gefängniszellen zu sehen, in denen Menschen Opfer von politischer Verfolgung und Gewalt der verschiedenen Diktaturen wurden. Im Gebäude tagte aber auch die erste freie Stadtverordnetenversammlung 1990. Die Gedenkstätte Lindenstraße 54/55 ist somit der einzige authentische Gedenk- und Erinnerungsort in Ostdeutschland, der sowohl die Geschichte der NS-Zeit, der sowjetischen Besatzungszeit, der DDR-Diktatur als auch die Ereignisse der Wendejahre 1989/1990 widerspiegelt. Seit 2014 ist die Gedenkstätte eine gemeinsame Stiftung des Landes und der Stadt Potsdam.

In der Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße befand sich von August 1945 bis 1991 das zentrale Untersuchungsgefängnis der sowjetischen militärischen Spionageabwehr. Der KGB hinterließ eine Haftanstalt, die in beklemmender Authentizität die schrecklichen Bedingungen der Häftlinge zeigt. Die Geschichte des Gebäudes und der damit verbundenen Schicksale stehen im Mittelpunkt der ständigen Ausstellung. Das Gefängnisareal befand sich im wichtigsten sowjetischen Geheimdienststandort in Deutschland, dem Militärstädtchen Nr. 7. Der Potsdamer Stadtteil mit rund 100 Villen und Wohnhäusern war hermetisch abgeriegelt. Inzwischen führt ein 2,5 km langer Geschichtspfad durch die einst „Verbotene Stadt“ und informiert an 14 Punkten über die Geschichte des Gebietes. 

2011 entbrannte ein Streit über die Erinnerungskultur in der Landeshauptstadt. Anlass war die Holocaust-Gedenkfeier der Stadt an der von Wieland Förster geschaffenen Skulptur „Für die Opfer“ im Innenhof der Gedenkstätte. „Kann man an einem Ort an dem nationalsozialistische Täter inhaftiert waren, würdig an die Opfer denken? Und wenn, an welche Opfer?“ war die zentrale Kritik des Bundes der Antifaschisten. Die Stadt nahm dies zum Anlass, ein städtisches Erinnerungskonzept zu erarbeiten, eine Richtschnur für die Frage, an welchen Tagen wo gedacht werden kann oder werden soll. Selbstverständlich war die Diskussion dazu öffentlich und durchaus streitbar, denn in Potsdam gibt es eine facettenreiche Erinnerungskultur, die von verschiedenen Vereinen, Verbänden und Initiativen getragen wird.

Ein Ergebnis des öffentlichen Diskurses war: Bestimmte Gedenktage sind für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Potsdam besonders bedeutsam. Die Landeshauptstadt Potsdam richtet daher jährlich am 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag und am 9. November, der Pogromnacht von 1938 und gleichzeitig Mauerfall 1989, sowie am 13. August, dem Tag des Mauerbau im Jahr 1961, offizielle Gedenkveranstaltungen aus. Von großer Bedeutung ist für die Stadt Potsdam auch das Gedenken an den 14. April. Die sogenannte „Nacht von Potsdam“ bedeutete die Bombardierung und fast komplette Zerstörung der Potsdamer Innenstadt 1945.

Ein zweiter zentraler Punkt des Erinnerungskonzeptes ist der Umgang mit den Gedenkorten in Potsdam. Der ehemalige Mauerstreifen ist auch heute noch strittiges Thema, vor allem aufgrund der Eigentumsverhältnisse. In Groß Glienicke und am Griebnitzsee ist es gelungen, jeweils eine Mauergedenkstätte zu errichten. Sie erinnern mit den Überresten der originalen Grenzzäune und Betonwände an die Deutsche Teilung und die Menschen, die aufgrund dieser Mauer sterben mussten.